Kategorie: Entwicklung, Gemeinde, Umwelt, Kultur

  • 24.2.2026 „Doppelt so viel ist nicht doppelt so gut“ – Warum die Lifterweiterung am Grenzkamm in Sexten ein Irrweg wäre

    Die geplante Lifterweiterung hinauf auf den Grenzkamm Hochgruben zwischen Sexten/Südtirol und Heinfels/Osttirol steht exemplarisch für ein Wachstumsparadigma, das im alpinen Raum zunehmend an seine ökologischen, ökonomischen und sozialen Grenzen stößt. Das Prinzip „Doppelt so viel ist nicht doppelt so gut“ verweist auf eine zentrale Einsicht moderner Nachhaltigkeitsdebatten: Jenseits eines bestimmten Punktes erzeugt quantitatives Wachstum keinen proportionalen Mehrwert, sondern steigert systematisch Kosten, Abhängigkeiten und strukturelle Risiken. Im Kontext der geplanten Erweiterung in Sexten spricht vieles dafür, dass dieser Schwellenwert überschritten wäre. „Mehr desselben bedeutet nicht dasselbe“, das schrieb 1985 Paul Watzlawik *

    Das, was ursprünglich gut, sinnvoll und für das Prosperieren Sextens und der Region hilfreich war, kann durch das immer Mehr und Mehr selbst zum Problem werden.

    Die Pioniere für die Entwicklung Sextens haben beginnend in den 60er bis in die Mitte der 20er Jahre Großartiges geleistet. Jetzt mit dem neuerlichen, geplanten Hochrüsten operiert Sexten und die gesamte Region auf einem sehr hohen touristischen Intensitätsniveau. Bis hierher und nicht weiter, muss das Motto lauten.

    Zusätzliche Liftanlagen und Pistenkilometer versprechen nominell Wettbewerbsfähigkeit, tatsächlich jedoch sinkt im gesättigten touristischen Markt der Grenznutzen jeder weiteren Expansion. (Siehe Grafik am Ende des Artikels)

    Der zusätzliche Nutzen (Grenznutzen), der aus einer weiteren Aufrüstung des Skigebiets Karnischer Kamm/Hochgruben entsteht, nimmt mit einer bestimmten Investitionsgröße ab. Dieses Prinzip lässt sich mit der Landwirtschaft vergleichen: Das Ausbringen von Dünger steigert den Ertrag nur bis zu einem bestimmten Punkt, dem optimalen Grenzwert. Wird darüber hinaus weiter gedüngt, sinkt der zusätzliche Ertrag, und der Gesamtnutzen beginnt, Schaden zu nehmen. (Gossensche Gesetz 1871)

    Die Nachfrage steigt so lange an, bis eine Sättigungsgrenze erreicht ist und zusätzliche Kapazität keinen weiteren Mehrwert mehr generiert. Der Ausbau großskaliger Infrastrukturen — wie es der Karnische Kamm zweifellos sein würde — geht mit hohen Fixkosten einher und erzeugt einen strukturellen Auslastungsdruck. Unter Bedingungen klimatischer Unsicherheit, zunehmender ökologischer Bedenken und endlicher Flächenkapazitäten erweist sich diese Strategie als äußerst risikobehaftet.

    Die Transport- und Beförderungskapazitäten werden durch zusätzliche Seilbahnanlagen sukzessive erhöht, der räumlich-territoriale Rahmen bleibt jedoch konstant und nicht expandierbar. Die Möglichkeit eines autofreien Sextens hat man nie ernsthaft in Betracht gezogen. Die infrastrukturelle Verdichtung innerhalb des begrenzten Territoriums Sextens führt folglich zu Nutzungskonflikten und Überlastungserscheinungen, die sich in verkehrlicher Überlastung, Flächenengpässen sowie sozialen Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung Sextens und touristischen Akteuren manifestieren.

    Es fällt auf, dass das Management im Vorbereich der Aufstiegsanlagen – etwa bei der Parkraumgestaltung – meist hinterherhinkt. Ohne ein umfassendes Verkehrskonzept, das konsequent auch und insbesondere die Qualität der Zufahrtswege und Parkflächen einbezieht, werden bestehende Probleme weiter verschärft. Die Folgen dieser Improvisationen sind unübersehbar. (Momentaufnahme eines improvisierten Parkraums in Sexten am 25.2.2026 im Anhang) Es ist klar und leuchtet ein, dass die Erweiterung oben auf dem Karnischen Kamm neben dem ökologischen Risiko auch die Probleme unten im Dorf um ein beträchtliches Maß erhöhen. Die Balance zwischen Prosperität und Lebensqualität bekommt gefährliche Risse.

    Die abgewählte Präsidentin des Tourismusvereins Traudl Watschinger und Seniorchefin des berühmtesten Hotels in Sexten „Drei Zinnen“ hat das, was vielen Sextnerinnen und Sextner am Herzen liegt, im ff-Interview zum Ausdruck gebracht: „….Mein Bestreben war es, immer auch für Sexten selbst zu arbeiten, für eine ausgewogene Ortsentwicklung.“ (ff, 12.2.2026,Nr.7) Und weiter: „Wir müssen die Balance halten zwischen den Bedürfnissen des Skiliftbetreibers und jenen der Einheimischen.“

    Es ist verwunderlich, dass der Geschäftsführer der 3-Zinnen-AG Herr Marc Winkler, sowie der Präsident Herr Franz Senfter für ein Interview mit der Zeitschrift ff nicht zur Verfügung standen. Es wäre von besonderem Interesse zu erfahren, welche Haltung die Betreibergesellschaft unter anderem im Hinblick auf Grenz- und Gesamtnutzen vertritt. Eine Debatte mit allen, die ein Interesse haben und jenen, die sehr skeptisch sind, wäre längst schon fällig. Dann könnten die, die in den hochalpinen Raum vorstoßen wollen ihre Argumente zur Diskussion stellen, und die Skeptiker hätten die Chance zu sagen, was ihnen Sorge bereitet. Eigentlich ein ganz normaler Meinungsbildungsprozess in einem demokratisch strukturierten Tirol.

    Bei einem Vorhaben dieser Tragweite drängt sich die Frage auf, wie die Mehrheit der Sextnerinnen und Sextner zur geplanten Erweiterung steht. Vor fünf Jahren wurde eine Befragung noch für unzulässig erklärt. In einem Land, das Mitbestimmung hochhält, erscheint eine solche Haltung kaum nachvollziehbar, untragbar und schwer zu verdauen.  Reginalda Tschurtschenthaler, Leiterin des Promotorenkomitees gegen den Ausbau sagte im ff-Interview: „Es ist schon mehr als bedenklich, wenn man nach wie vor ein so großes Projekt verfolgt, ohne die Sextner Bevölkerung miteinzubeziehen.“ (ff, 12.2.2026, Nr.7)

    Der völkerrechtliche Vertrag, bekannt als ** „Aarhus Konvention“ — 1998 auch von Italien unterzeichnet — ist das Übereinkommen über den Zugang der Bevölkerung zu Informationen bzw. die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren in Umweltangelegenheiten. Es ist ein Grundstein demokratischer Beteiligung. Es wäre sehr interessant zu erfahren, warum die politisch Verantwortlichen der Sextner Bevölkerung dieses verbriefte Recht vorenthalten.

    Die Einbeziehung der Menschen, die im Tal leben, wäre eine gute Möglichkeit, die von Traudl Watschinger beschriebene Balance nicht aufs Spiel zu setzen. Die Bevölkerung lebt mit dem Nutzen, muss aber auch mit den Problemen zurechtkommen. Deshalb dürfen nicht nur Lobbyisten und Politiker entscheiden – es müssen diejenigen auch etwas sagen dürfen, die im Dorf leben und arbeiten bzw. Nutzen und Probleme teilen.

    In der neuen Südtiroler Tageszeitung online wird am 23.7.2025 der Landesrat Peter Brunner von der Südtiroler Landesregierung mit den Worten zitiert: „Wir warten nur noch auf die Genehmigung der UVP auf österreichischer Seite“ Die Menschen in Sexten spielen demnach keine Rolle und die Aarhus-Konvention, so scheint es, auch nicht.

    Dass man das Risiko einer Ablehnung des Projekts durch die Bevölkerung offenbar nicht eingehen möchte, zeugt von wenig Respekt gegenüber den betroffenen Menschen sowie gegenüber jenen Organisationen, die über eine weitreichendere ökologische Fachkompetenz verfügen, als es eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) allein leisten kann.

    Am 24. November 2022 wurde in Bozen das „Manifest für mehr Respekt vor dem Alpenraum“ unterzeichnet. Zu den Unterzeichnern zählen der Alpenverein Sexten (AVS), Österreichischer Alpenverein, Deutscher Alpenverein, der Club Alpino Italiano, der Heimatpflegevetband Südtirol, der Verein zum Schutz der Bergwelt sowie die Federazione Ambientalisti Alto Adige.

    Der Schutz der Berggebiete ist den Alpen- und Umweltverbänden ein zentrales Anliegen. Auch die internationale Alpenschutzkommission CIPRA bemüht sich seit 1952 um eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum.

    Mit dem „Manifest für mehr Respekt..“ von 2022 werden Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Besucher dazu aufgerufen, dem sensiblen Alpenraum mit größerem Verantwortungsbewusstsein zu begegnen und Schutzinteressen konsequent zu berücksichtigen.

    Auch wenn sich die Politik mitunter auf formale oder normative Bestimmungen beruft, um Initiativen wie eine Umfrage abzuweisen, oder unter dem Druck einflussreicher Interessengruppen nachgibt, wäre es im Sinne des Manifests von 2022, der Aarhus-Konvention, der AVS-Organisationen und der CIPRA dringend geboten, den Menschen vor Ort jenen Respekt entgegenzubringen, den sie verdienen — insbesondere durch transparente Verfahren, ernsthafte Beteiligung und eine sorgfältige Abwägung der ökologischen, klimatischen und sozialen Folgen.

    Sollte sich die Bevölkerung Sextens in einer Umfrage für das Projekt aussprechen, hätte die zustimmende Mehrheit, also jener Teil, der das Projekt gutheißt, die Möglichkeit gehabt, sich ein differenziertes Bild von den Vor- und Nachteilen zu machen. Fällt die Entscheidung anders aus, gilt dies in gleicher Weise.

    Hansjörg Rogger

    Quellen: “Welt News” & Live TV, 20.2.2026 / / / Die neue Südtiroler Tageszeitung online vom 23. Juli 2025 / / / ff-Südtiroler Illustrierte, Nr.7 vom 12.2.2026 / / / https://hansjoerg.blog/2025/07/19/offener-brief-an-den-landeshauptmann-von-suedtirol-herrn-arno-kompatscher/ / / Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, 1871 / / / *Paul Watzlawik, Vom Schlechten des Guten, 1985 / / / **Aarhus: https://www.unece.org/env/pp/welcome.html  / / / http://www.cipra.org / / / http://www.hpv.bz.it / / / http://www.Alpenverein.it / / / http://www.salto. bz / / / Tiroler Landesregierung, 2026 / / / https://www.tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at / / /

  • Offener Brief an den Landeshauptmann von Südtirol, Herrn Arno Kompatscher

    Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

    ich wende mich an Sie bezüglich des Projekts zur Errichtung der neuen Aufstiegsanlage und Skipiste „Drei Zinnen II“. Bei der kürzlichen Vorstellung der Kandidaten zur Gemeinderatswahl wurden Fragen dazu gestellt, auf die nur die Landesregierung antworten kann.

    Bekanntlich darf die Skiverbindung auf Sextner Seite in Richtung Hochgruben erst dann realisiert werden, wenn auf österreichischer Seite alle Genehmigungen vorliegen – so der Beschluss der Landesregierung Nr. 711 vom 22.09.2020. Diese Genehmigungen liegen derzeit jedoch noch nicht vor.

    Ebenso ist bekannt, dass die Südtiroler UVP-Genehmigung im August 2025 ausläuft. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Gibt es Bemühungen seitens der Gemeinde Sexten und/oder des Landes, eine Baukonzession anzustreben, obwohl die im Beschluss genannten Voraussetzungen bislang nicht erfüllt sind?

    Im Jahr 2021 wollte die Initiativgruppe, die sich gegen die neue Aufstiegsanlage „Drei Zinnen II“ richtet, die Sextner Bevölkerung zu ihrer Haltung zum Projekt befragen. Eine solche Umfrage wurde jedoch unter Verweis auf rechtliche Hürden abgelehnt.

    Im vergangenen Jahr 2024 hielten es einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Erhebung zur Dorfentwicklung in einer offenen Frage für wichtig festzuhalten, dass keine neuen Aufstiegsanlagen errichtet werden sollen (vgl. http://www.gemeinde.sexten.bz.it).

    Für Irritation sorgte zuletzt eine Aussage des Bürgermeisters bei der Wahlveranstaltung am 28. April 2025. Wie bereits erwähnt, darf die Neuerrichtung laut Beschluss Nr. 711 nur erfolgen, wenn das zu erschließende Gebiet die Verbindung mit Sillian (Osttirol) sicherstellt.

    Da das neue Skigebiet außerhalb der im Beschluss festgelegten skitechnisch erschließbaren Zone – der sogenannten „Wolke“ – liegen würde, ist die Verbindung mit Sillian-Thurntaler entscheidend.

    Es war herauszuhören, dass der Fachplan für Aufstiegsanlagen derzeit überarbeitet wird und im Zuge dieser Überarbeitung die Verbindung „Drei Zinnen II“ in die genannte „Wolke“ aufgenommen wird. Das würde bedeuten, dass die Liftgesellschaft nicht mehr auf die Genehmigungen aus Österreich warten müsste, wenn in nächster Zeit die Landesregierung den Beschluss 711/2020, Seite 6 dahingehend abändert, dass die einheitliche Landesgenehmigung und die Baugenehmigung erlassen werden dürfen, auch wenn auf österreichischer Seite noch nicht alle notwendigen Genehmigungen vorliegen.

    Könnte es tatsächlich sein, dass die Landesregierung den Passus streicht, nachdem erst dann gebaut werden darf, sobald auf österreichischer Seite alle Genehmigungen vorliegen?

    Wir bitten den Landeshauptmann darum, uns in dieser Angelegenheit zu informieren.

    Mit bestem Dank und schönen Grüßen

    Hansjörg Rogger / Sexten am 19.7.2025

    Auch im Namen der vielen Mitglieder des Promotorenkomitees, die im Mai 2021 eine Volksbefragung beantragt hatten und der zahlreichen Einheimischen, die sich klar gegen die Verbindung Sexten-Sillian aussprechen: i. V. Hannes Happacher, Paul Watschinger, Elfriede Pfeifhofer, Reginalda Tschurtschenthaler

  • Ein paar Ideen für die Ideenbox (Gemeindeentwicklungsprogramm für Raum und Landschaft in der Gemeinde Sexten )

    Mobilität: Ein ganzheitliches Konzept ist gefragt

    Die Untertunnelung von Kiens und die Umfahrung von Percha tragen dazu bei, diese Ortschaften deutlich zu entlasten. Gleichzeitig ist jedoch davon auszugehen, dass der Verkehrsfluss von Westen nach Osten weiter zunimmt – und damit die bestehenden Engpässe zunehmend überfordert. Insbesondere in Sexten verschärft sich die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation.

    Für Sexten stellt die Beseitigung dieses Nadelöhrs eine enorme Herausforderung dar. Im Gegensatz zu Orten wie Welsberg, Niederdorf, Percha oder Kiens, wo der Verkehr durchfließt, endet für die meisten Touristen in Sexten die Reise. Das Ziel ist es, den Gästen eine möglichst komfortable Anreise zu ermöglichen – doch genau hier muss ein Umdenken stattfinden.

    Es braucht eine zukunftsweisende, umfassende Lösung. Ein möglicher Ansatz könnte ein autofreies Sexten sein, verbunden mit der Schaffung moderner Infrastrukturen am Ortseingang. Nur durch innovative und nachhaltige Maßnahmen kann die Mobilität langfristig gewährleistet und die Lebensqualität im Ort verbessert werden. Erst vor Kurzem sagte mir Georg Villgrater im Zusammenhang mit einem privaten Bauprojekt: „Geat et, gibt’s et.“ Natürlich scheint es auf den ersten Blick zunächst undenkbar zu sein, darüber nachzudenken, wie der nach Sexten fahrende Tourist sein Auto am Ortseingang mit dem Shuttle tauschen könnte. Doch Fortschritte fallen selten von selbst in den Schoß – sie erfordern Entschlossenheit und Vision. Nicht selten entstehen daraus Ideen, die man sich nie hätte träumen lassen, dass sie entstehen könnten.

    In der Schweiz gibt es neben Zermatt, auch noch Saas Fee im Wallis und Wengen im Berner Oberland, um nur drei von acht autofreien Gemeinden zu nennen. In Österreich ist Oberlech in Vorarlberg oder Werfenweng im Salzburger Land zu nennen.

    Die Einhaltung der Wachstumsgrenzen 

    ist der Garant dafür, dass all das, was der Tourismus in der Vergangenheit an Wohlstand, Diversität und Weltoffenheit geschaffen hat, erhalten bleibt. Es muss das Prinzip der Sorge gelten: Was vorhanden ist, muss zukunftstauglich bewahrt werden.

    Die Bewahrung der gewachsenen Strukturen in Landwirtschaft, Handwerk, Tourismus ist davon abhängig, dass den Wachstumsgrenzen Respekt gezollt wird. Auch bzw. vor allem in Sexten. Die Bewahrung birgt in sich ein großes Potential – für alle Player in der Gemeinde. Doppelt so viel ist ganz selten doppelt so gut. Und das „Doppeltsoviel“ nagt an der Substanz, belastet Umwelt und Menschen und gefährdet das, was Sexten groß gemacht hat.

    Kultur: Tradition neu denken und zeitgemäß gestalten

    Kultur bedeutet, historisch Gewachsenes neu zu gestalten und zu interpretieren, indem neue Elemente aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens integriert werden – offen, demokratisch und zukunftsgerichtet.

    Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Unterstützung kleinstrukturierter Initiativen, die wichtige kulturelle Impulse setzen. Dazu zählen etwa die Rudolph-Stolz-Initiativen des Kuratoriums sowie die Aktivitäten rund um Claus Gatterer und die Claus-Gatterer-Preise. Diese Initiativen tragen wesentlich zur kulturellen Vielfalt und Identität Sextens bei und verdienen langfristige Förderung.

    Darüber hinaus sollte der öffentliche Raum verstärkt in kulturelle Performances und Veranstaltungen einbezogen werden. So kann Kultur für alle erlebbar gemacht und ein lebendiger Austausch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschaffen werden. 365 Tage. Eine begehbare Kunst- und Kulturlandschaft wäre ein anzustrebendes Ziel.

    Gestaltung des öffentlichen Raumes: Ästhetisch und funktional

    Die öffentlichen Räume, auch die Parkplätze an der Talstation Helmbahn, Talstation Rotwandwiesen, in der Signaue sowie im Hauptort, sollten nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend und naturnah gestaltet werden. Dazu ist die Einbindung von Landschaftspflegern und Landschaftsgärtnern essenziell, um eine harmonische Integration in die Umgebung zu gewährleisten.

    Naturnahe Parkplätze und Naherholungsräume:

    • Schaffung von Autoabstellplätzen, die durch gezielte Bepflanzung (z. B. Bauminseln, Hecken, Baumkübel) und den Einsatz von nachhaltigen Materialien naturnah gestaltet werden.

    • Ausstattung mit Mobiliar wie Sitzbänken, Tischen, Fahrradständern und Parkbänken, um Aufenthaltsqualität und Multifunktionalität zu fördern.

    Attraktivierung der Restflächen:

    • Die Gestaltung der übrigen Flächen sollte durch gezielte Aufwertungsmaßnahmen wie Kunstinstallationen, Begrünung oder architektonisch ansprechende Elemente erfolgen. (Bruneck präsentiert sich in diesem Zusammenhang schon jahrelang als Modell)

    • Alltagsräume im Dorf können durch künstlerische oder poetische Interventionen – wie Skulpturen, Wandgemälde oder temporäre Kunstprojekte – eine zusätzliche ästhetische und kulturelle Dimension erhalten.

    Ziel ist es, sowohl Einheimischen als auch Gästen ein harmonisches, erholsames und inspirierendes Umfeld zu bieten, das Funktionalität mit gestalterischer Qualität verbindet. Die Gestaltung und Pflege der Naherholungsräume bedeutet für alle im Dorf ein Mehrwert. Und sie fordern zur Diskussion heraus.

    Straßen- und Wegenetz: Langlebig und beständig

    Ein hochwertiges Straßen- und Wegenetz bildet die Grundlage für eine funktionale und ästhetische Infrastruktur. Dabei sollte besonderes Augenmerk auf die Wahl langlebiger Straßenbeläge gelegt werden, die nur minimale Ausbesserungen erfordern.

    Qualitätskriterien für Straßenbeläge:

    • Verwendung robuster Materialien, die gegenüber Witterungseinflüssen und Verschleiß beständig sind.

    • Bauweisen, die eine lange Lebensdauer gewährleisten und damit langfristig Kosten reduzieren.

    • Ästhetisch ansprechende Oberflächen, die sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen.

    Ein gut gepflegtes und durchdacht angelegtes Wegenetz verbessert nicht nur die Verkehrsqualität, sondern trägt auch zur Sicherheit und Attraktivität von Sexten bei.

    Kinder- und Jugendrat: Mitbestimmung für die Zukunft der Gemeinde

    Die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Meinungsbildung ist ein entscheidender Faktor, um ihre Bindung an die Gemeinde zu stärken und sie für ein Leben vor Ort zu motivieren.

    Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit: Eine ausgewogene Zukunft gestalten

    Nachhaltigkeit muss als übergreifendes Prinzip in allen Bereichen der Gemeindeentwicklung verankert werden. Ziel ist es, ökologische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte in Einklang zu bringen und so eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

    1. Begrenzung von Infrastrukturwachstum:

    • Einrichtung und Unterstützung eines Reparaturzentrums (z. B. Repair Café) innerhalb der Bezirksgemeinschaft, um die Lebensdauer von Gegenständen zu verlängern und Abfall zu reduzieren.

    • Einfrieren der Aufstiegsanlagen auf den Stand von 2023, um weitere Eingriffe in die Naturlandschaft zu vermeiden.

    2. Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft:

    • Sensibilisierung der Bevölkerung für Müllvermeidung durch Bildungsinitiativen und nachhaltige Konsumpraktiken. Wie wäre es, wenn man Sextens gut funktionierenden Recyclinghof mit einer Reparaturwerkstatt für alte Elektrogeräte ausstatten könnte?

    3. Verantwortung als ganzheitliches Konzept:

    • Entwicklung eines ausgewogenen Modells, das Tourismus, Naturschutz, soziales Miteinander, Kultur und Kunst miteinander verbindet.

    • Unterstützung ressourcenschonender Tourismusprojekte, die die Natur respektieren und die lokale Wirtschaft stärken.

    • Integration von Kunst und Kultur als Mittel, um Umweltverantwortlichkeit kreativ zu kommunizieren und gesellschaftlichen Wandel zu fördern.

    Durch diese Ansätze kann die Gemeinde ein Vorbild für beständige, langfristige, ressourcenschonende und verantwortete Entwicklung werden.

    Hansjörg Rogger, Alpe- Nemes-Straße 4
    348 5233660
    Johann.rogger@icloud.com

  • Verschwende niemals eine Krise – lerne daraus

    Toblacher Gespräche 2020

    35 Jahre ist es her, dass in Toblach 1985 die ersten Toblacher Gespräche stattgefunden haben. Eine aufstrebende Gemeinde in Südtirols Hochpustertal, ganz nahe an den Drei Zinnen, hat sich vor über 30 Jahren auf den Weg gemacht. „Für einen anderen Tourismus am Beispiel des Bergtourismus“ war das 1. revolutionäre Seminarthema. Vor über 30 Jahren hatte man begonnen, darüber nachzudenken. Vieles hat sich seit diesen Jahren verändert. Sehr vieles. Und die Tourismusorte sind immer attraktiver geworden. Die Bahn hat man rundum modernisiert, man hat zu einem beachtlichen Teil Heizöl mit Hackschnitzel ersetzt, man übt sich seit vielen Jahren in der Mülltrennung, erfand lokale Vermarktungsstrategien und dachte darüber nach, wie es zu schaffen wäre, Tourismuswirtschaft und Ökologie irgendwie in Harmonie zu bringen.

    Der Tourismus hat in den vergangenen Jahren eine fast schon gigantische Fahrt aufgenommen. Attraktive Orte wurden geschickt vermarktet. Diese mussten sich dann aber den Kopf zerbrechen, wie sie mit der Attraktivität zurechtkommen wollten, damit nicht gerade diese Attraktivität kaputt macht, was so hoffnungsvoll begann. Ein attraktives Land, bemüht um einen Tourismus, der nicht nur für viele die Lebensgrundlage bietet, sondern auch dem Anspruch gerecht bleiben will und soll, lebenswert und liebenswert zu bleiben.

    Bei den 14. Toblacher Gesprächen im Jahr 1998 ging es um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, und es ging um Schönheit. Gewissermaßen eine ökologische Aufbruchstimmung mit philosophisch literarischen Leitideen. Das Schöne könnte zum Guten hinführen und damit zu einem Verhalten beitragen, das sich an den Vorgaben der Natur orientiert. Ästhetik und die Liebe zur Landschaft.

    Bei den Toblachen Gesprächen 2020 bekam das Thema der Schönheit erneut Aufmerksamkeit. Die verloren gegangene Schönheit war es dieses Mal. Szenarien möglicher Fluchtwege wurden konstruiert. Graeme Maxton sprach von der Climate Emergency. Klingt apokalyptisch, aber die Wissenschaft mit ihren Analysen und Daten ist unüberhörbar: Der Klimawandel ist im Gang. Dass wir Menschen dies zu verantworten haben, wissen wir, dass wir Menschen die verheerenden Konsequenzen zu tragen haben, wissen wir genauso.

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    Schon vor 20 Jahren wurde gesagt, dass sich das Schöne mit dem Nützlichen verbinden müsse. Der Mensch hat seine Kulturlandschaften gebaut. Dadurch wurde die Welt vielgestaltiger und schöner. Dies dürfe aber nur in Allianz mit der Natur geschehen. Und an dieser Allianz scheint es in vielen Fällen zu hapern. Lorenzo Magliano, Dozent für Advanced Building Physics, Mailand zeigte 2020 am Beispiel der Radfahrwege in Paris, dass ein gutes Leben einfach sein kann. Es braucht aber Allianzen, um dadurch der Schönheit der Städte wieder Platz einräumen zu können.

    1989 sprach Josef Zoderer, Südtiroler Autor, über Schönheit und Nachhaltigkeit: „Stichwort neues Zivilisationsmodell, Stichwort gegenwärtige Entwicklung, Stichwort nicht zukunftsfähig, Stichwort Schönheit.“ Zoderers literarisches Plädoyer für eine Landschaft mit Kultur und nicht für ein „Entweder – Oder“. „Schön ist nachhaltig, nachhaltig ist schön, das verstehe ich als gemeinsames lustvolles bewusstes Ziehen an der Bremse, damit wir endlich oder noch Zeit haben zu sehen, was vor den Fenstern und dahinter mit uns selbst geschieht.“ Sagte Zoderer 1989 bei den Toblachen Gesprächen – vor mehr als zwei Jahrzehnten. Die Botschaft hörte man wohl.

    Und 2020? Zum 31.Mal gab es in Toblach gut Gemeintes, tolle Visionen, zukunftsweisende Konzepte. Fridays for future blitzte zwischendurch auf. Jetzt, da es bisher die Großen nicht schafften, Ordnung in unseren ökologischen Systemen wieder herzustellen, müssen die Kinder ran. Der Umweltingenieur am Politecnico Mailand Stefano Caserini sagt dann auch: „Abbiamo perso tempo, bereits jetzt ist es schwierig, zurückzukehren, wir müssen mehr tun.“

    Seit über drei Jahrzehnten gibt es Mahnungen aus Toblach, eine unglaublich lange Zeit, und laut Caserini hat die Erde nur mehr eben noch einmal diese 30 Jahre Zeit, um die Wende in Gang zu bringen. Seit vielen Jahren hören wir nichts anderes, und Herr Caserini bringt es auf den Punkt: „Es geht darum, dass wir innerhalb von dreißig Jahren die Art, wie wir unsere Häuser heizen, Strom produzieren und Autos, Motorräder, Lastkraftwagen oder Flugzeuge bewegen, radikal verändern.“

    Über dreißig Jahre wurde die Botschaft der Toblacher Gespräche nicht nur an die Adresse von ein paar Umweltaktivisten gerichtet. Fokussiert und gedacht waren sie, drei Jahrzehnte lang, für die Lokalpolitik aber nicht nur. Niederschwellig auf lokaler und individueller Ebene wurde da einiges angedacht und umgesetzt. Aber gedacht waren sie auch global – nicht umsonst wurden die Thesen der Toblacher Gespräche auch in der Auslandspresse abgedruckt. Wenn drei Jahrzehnte nachgedacht, wenn drei Jahrzehnte in die Lokalverwaltungen hineindiskutiert wurde, dann müsste die aufgerissene Wunde verdammt schmerzvoll sein, müsste man meinen. Zumindest spurlos war das ganze nicht. Aber, so scheint es, die Schmerzen waren immer noch auszuhalten. So richtig schmerzhaft waren die Wunden immer noch nicht.

    Caserini meint aber, jetzt, 30 Jahre vor der Apokalypse, dass es nun auf strategische Entscheidungen ankommen wird müssen, auf die Bodennutzung nationaler und überstaatlicher Ebenen, auf die Finanzierungen für den technologischen Wandel und den Bau großer Infrastrukturen. „Man bedenke nur, der Rückgang der Emissionen von Treibhausgasen muss das Ergebnis nationaler Maßnahmen und politischer Vorgaben sein.“ (Caserini Stefano, 2020)

    „Langsamer, weniger, besser, schöner – ökologischer Wohlstand“ Vision der 80er und 90er Jahre. Hans Glauber, der Initiator der Toblacher Gespräche skizzierte 1994 Szenarien eines menschlichen Handelns, das sich radikal zu verändern hätte, wollte man sich nicht in den Abgrund manövrieren. Haben diese zahllosen lokalen und internationalen Kongresse etwas gebracht? War das alles umsonst oder hat sich doch etwas verändert? Ja, es hat sich was getan, aber allein das Bewusstsein bei vielen Menschen und in lokalen Verwaltungsbezirken reicht nicht mehr aus.

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    Vor 20 Jahren stand im Aufmacher zu den Gesprächen: „Die Notwendigkeit einer umfassenden ökologischen Umsteuerung ist dringlicher denn je.“ Jetzt, 2020, plädiert Matthias Horx, Futurologe und Leiter des Zukunftsinstitutes in Frankfurt und Wien für einen ganz anderen Weg. Das Endzeitszenario ist passé. Jetzt müsste die ganze Kraft dafür verwendet werden, so sagt dies Matthias Horx, das Boot mit den Kräften der Technik, der Wirtschaft, der Kultur und der Politik in eine andere Richtung zu lenken. Die heutige Angst- und Schuldökologie, wie sie Horx bezeichnet, bringt nichts und spaltet die Gesellschaft. „Knappheits- und Verzichtsideologie erzeugt Stress und Aggression und führt unweigerlich zu Verteilungskriegen.“ Horx plädiert für einen Abschied vom Endzeitdenken und will die Versöhnung von Technologie, Kultur und Ökonomie.

    Enrico Giovannini von der Alleanza Italiana per lo Sviluppo Sostenibile, Rom deutet auf eine solche Versöhnung hin. Europa mit dem European Green Deal soll es richten. Europa als klimaneutraler Vorzeigekontinent? Klingt gut. Die globale Politik muss es anpacken. Das sind jene strategischen Entscheidungen, wie sie Herr Caserini fordert und wie sie von Herrn Horx als die Glokalisierung beschrieben wird. Sie lesen richtig: „Glokalisierung“. Übrigens, so etwas Ähnliches wurde vor drei Jahrzehnten von den Toblacher Gesprächen als globales denken und lokales handeln definiert.

    Enrico Giovannini nennt neben dem European Green Deal das Wirtschaftssystem, das im Dienste des Menschen zu stehen hat. Dazu kommen die Digitalisierung, die Förderung des europäischen Lebensstils, neuer Elan für die europäische Demokratie und ein insgesamt gestärktes Europa. Sechs Handlungsebenen, um eine ökologisch nachhaltige Entwicklung in Europa zu ermöglichen.

    Bei den aktuellen Toblacher Gesprächen führte das Coronavirus die Diskussion in eine Richtung, die sich so niemand erwartet hatte. Susanne Elsen, Professorin für angewandte Sozialwissenschaft der Universität Bozen: „Wir erleben eine unvorstellbare Vollbremsung. Die Krise irritiert, verunsichert, macht mit Recht Angst.“ Dass sich am Konsum, der Mobilität und dem Lebensstil etwas zu ändern hätte, um klimafreundlicher leben zu können, ist klar geworden. Durch die Corona-Zeit hat man eine Vorstellung davon bekommen, dass manches im Leben nicht unverzichtbar ist. Das meint Susanne Elsen.

    Mario Agostinelli, Präsident des Vereins „Energia Felice“ ist der Meinung, dass sich eine solche Entwicklung, wie sie Corona uns aufdiktiert hat, abgezeichnet hat. Mario Agostinelli: „Die Leichtigkeit und Geschwindigkeit mit der sich das Virus im Menschen verbreitet und angepasst hat, geht überraschend eng mit einer Reihe menschlicher Fehlentscheidungen einher: dem drastischen Abbau der Artenvielfalt, dem Siegeszug der Chemie in der Landwirtschaft sowie der Umweltbelastung durch Industrie und Verkehr. Diese destruktiven Prozesse haben auch die Wechselwirkungen unter Lebewesen und Arten auf der Erde verändert.“

    Verschwende nicht eine Krise, ohne daraus für die Zukunft etwas gelernt zu haben. Never waste a good crisis. Das war der Titel der 31. Toblacher Gespräche 2020. Ob die Gesellschaft tatsächlich daraus was lernen kann und will und ob sie, die Gesellschaft, die 30 kommenden Jahre das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lassen will, hängt von globalen Strategien und lokalen Ideen ab.

    Johann Georg alias Hansjörg Rogger

  • Die Welt ist zu komplex, als dass sie mit einfachen Denkmustern zu erklären ist

    Wenn die Jugend jetzt ihre Stimme erhebt, egal ob nun diese Stimme immer ehrlich gemeint ist, dann muss dies die Schule als Teil ihres Bildungsauftrages gutheißen. Gorbatschow hat vor 30 Jahren gesagt, dass die Gefahren auf jene warten, die nicht auf das Leben reagieren. Und das müssen wir unseren jungen Leuten lehren, dass nicht argumentationsloses Dagegensein die Gesellschaft weiterbringt, sondern dass sich konstruktive Lösungsalternativen in den Köpfen generieren müssen. 

    Und dazu braucht es Bildung. Bildung im Sinne von „Wachhalten flottierender Neugier, Lust am Erkennen, Freude am Schönen“, so wie dies der Philosoph Prof. Konrad Paul Liessmann fordert. Die Schule muss dabei helfen, und das geht nicht nur mit Pauken und Auswendiglernen. Wir sind schon beinahe an dem Punkt angelangt, wo wir uns Teilnahmslosigkeit nicht mehr leisten können. Wenn wir als Schule nicht genau hinhören und hinsehen, wenn wir nicht ernst nehmen, was sich um uns herum tut, dann wendet sich die Jugend von uns ab, sie verliert das Vertrauen in uns und unsere Institutionen. 

    Der Friedenspädagoge Werner Winterstein spricht das Beispiel der „global citizens“ an und plädiert für ein planetarisches Bewusstsein (Ö1,14.3.2019). Wie aber kommen wir dorthin, was müssen wir Schulen tun? Oder tun wir etwa schon genug? Allein über die Problematik zu reden, ist zwar besser als gar nichts, aber am Ende ist es doch viel zu wenig: „Am Anfang war die Tat“, sagt Goethes Faust. Und doch, Stellung beziehen dürfen, setzt die Spirale der Wertschätzung in Gang und bildet damit den Nährboden für konstruktive Beiträge, die der Gesellschaft nur gut tun können. Sich gegen extreme Maßlosigkeiten stellen, muss das Ziel von Bildung sein. 

    Und die Schule muss den Grundstock dafür legen, Autoritäten heranzuerziehen, die maßvoll und in Partizipation die Geschicke der Welt zu lenken haben werden. Die derzeitigen Spannungen und Probleme, die die jungen Leute auf die Straße treiben, sind nicht durch „precision politics“ zu lösen, sagt Sebastian Backup vom Wirtschaftsforum Davos in der Zeitschrift „Die Zeit“ Nr.10. Es braucht anders als bisher eine andere globale Architektur. Aber welche ist das? Das eigene Denken, den eigenen Zweifel wertgeschätzt zu bekommen? Ist es das? Widersprüche in sich selber entdecken, sie auszuhalten und nicht zu verleugnen? Vielleicht ist es das? 

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    Es braucht Demokratien, die ihre Kraft daraus ziehen, dass viele andere mitmachen und somit eher bereit sind, Entscheidungen mitzutragen, die ihren unmittelbaren Interessen widersprechen, sagt Sebastian Backup. Widersprüchlichkeiten im Zusammenhang mit der Umweltproblematik gibt es zuhauf. „Wir leben in Widersprüchen. Auch ich selbst“, sagt der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar in der „Zeit“ vom 14. März 2019. 

    Wohlstand und Fortschritt treiben uns immer weiter in diese Spirale hinein. Wohlstand und Fortschritt sättigen zu oft unreflektiert; es geht gut, also sorge ich mich nicht. Der europäische Flugzeugbauer Airbus beschäftigt 130.000 Mitarbeiter*innen (Die Zeit Nr.12). Es werden mehr, je mehr Flugzeuge bestellt werden, und damit werden mehr Familien ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Mehr Flugzeuge am Himmel bedeuten mehr Kerosin in der Luft, mehr Kerosin in der Luft erhöht das Risiko für das junge Leute auf die Straße gehen. Unser Denken muss die Fühler in alle Richtungen ausstrecken, sodass die Zukunft umwelt- und sozialverträglich gestaltet werden kann. Eine Denkrichtung allein ist unseriös und fahrlässig. 

    Johann Georg alias Hansjörg Rogger (Artikel veröffentlicht in der ff Südtirol, im April 2019)