Bruce Springsteen hat am 28. Januar 2026 den politischen Song „Streets of Minneapolis“ veröffentlicht, der inhaltlich als direkte musikalische Reaktion auf die jüngsten Ereignisse in Minneapolis, Minnesota, zu verstehen ist. In diesem Lied verarbeitet Springsteen die tödlichen Schüsse auf die Einwohner Alex Pretti und Renée Good, die während einer größeren Bundesoperation durch US-Einwanderungsbehörden (Immigration and Customs Enforcement, ICE) ums Leben kamen. Der Song macht die emotionalen und politischen Spannungen dieser Situation hörbar: Springsteen nennt im Text unter anderem „King Trump’s private army from the Department of Homeland Security“ und verwebt diese scharfe politische Kritik mit Bildern einer Stadt im Winter, aufgewühlten Straßen und dem eindringlichen Versprechen, die Opfer nicht zu vergessen.
In „Streets of Minneapolis“ wird das winterliche Minneapolis mit seinen langen, kalten Straßen besungen, und zugleich wird ein Aufruf zur Solidarität mit den Demonstrant:innen und den Bewohner:innen der Stadt laut. Der Song erinnert nicht nur an die Namen der Verstorbenen, sondern ruft auch zu Widerstand gegen staatlichen Machtmissbrauch und exzessive Gewalt auf. Mit diesem Lied knüpft Springsteen an seine lange Tradition politischer Musik an, die soziale und politische Missstände thematisiert — ähnlich wie frühere Werke aus seiner Karriere, die historische und gegenwärtige Ungerechtigkeiten beleuchteten.
„Through the winter’s ice and cold Down Nicollet Avenue… King Trump’s private army from the Department of Homeland Security. Oh our Minneapolis, I hear your voice…We’ll remember the names of those who died. On the streets of Minneapolis…“ (Bruce Springsteen, 2026)
Dankesbrief an Bruce Springsteen
Lieber Mr. Springsteen,
vielen Dank für Ihren neuen Song „Streets of Minneapolis“ und dafür, dass Sie mit Ihrer Musik den Menschen in Minneapolis und den betroffenen Gemeinschaften Ihre Stimme und Unterstützung geben. Ihr Lied ist nicht nur eine künstlerische Reaktion auf die tragischen Ereignisse; es ist auch ein leidenschaftlicher Aufruf, sich gegen exzessive staatliche Gewalt und den Machtmissbrauch der derzeitigen Regierung in Washington zu stellen.
Mit diesem Song erinnern Sie uns daran, dass Musik mehr als Unterhaltung ist: Sie kann ein Mittel sein, um Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen, Gemeinschaft zu stärken und Hoffnung zu geben. Danke, dass Sie diese Stimme erhoben haben.
In einem Rechtsstaat gilt ein grundlegendes Prinzip: Wer Verbrechen begeht, muss mit Strafen rechnen. Dieses Prinzip schützt nicht nur einzelne Bürgerinnen und Bürger, sondern die gesamte Ordnung, die auf Recht, Verantwortung und Menschenwürde basiert. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Täter ein Einzelner ist oder ein mächtiger Staatsführer – vor dem Recht dürfen keine Ausnahmen gelten.
Wendet man diesen Maßstab an, muss auch das Handeln Wladimir Putins bewertet werden. Der Versuch, ein souveränes Land mit Gewalt für sich zu beanspruchen, widerspricht fundamental dem Völkerrecht. Krieg zur territorialen Erweiterung ist kein politisches Mittel, sondern ein Verbrechen. Hinzu kommen schwerwiegende Vorwürfe wie die Entführung ukrainischer Kinder und die systematische Terrorisierung der Zivilbevölkerung. Solche Taten verletzen elementare Menschenrechte und treffen die Schwächsten einer Gesellschaft.
Ein Rechtsstaat – national wie international – verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn er solche Verbrechen hinnimmt oder relativiert. Gerechtigkeit darf nicht von Macht abhängen. Wenn Recht mehr sein soll als ein leeres Wort, dann müssen auch Staatsoberhäupter für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Nur so kann die Idee des Rechtsstaates Bestand haben.
Sieht das denn niemand von jenen, die es längst hätten sehen müssen? Oder überlässt man es gerne jenen, die neben ein paar Münzen, die sie aus ihren Taschen kramen, die Blicke nicht verschämt abwenden?
Joannis sitzt seit Jahren auf den Pflastersteinen. In Bruneck am Graben. Bei Kälte, Hitze, Nässe und Schnee. Vor ein paar Tagen hat ihm jemand die Operation am Bein möglich gemacht. Lange hat er darauf gewartet. Er zeigt mir das operierte Bein, so als müsse er beweisen, dass seine Geschichte wahr sei.
Die Schiene ist weg, die Not geblieben. Er sitzt wieder da, wie eh und je. Die Krücken liegen neben ihm.
Menschen rauschen an ihm vorbei. Der eine oder andere wirft etwas in seinen Hut. Ein unwürdiges Schauspiel – und nebenan, in der Kirche, betet man für die Armen.
Er erzählt mir von seinen Geschwistern und seinem Vater in Rumänien. Von seinem Land, das ihn fallen gelassen hat und von seinem deutschen Freund, der inzwischen ebenfalls arbeitslos ist. Geschichten, die bei uns Wohlstandsverwöhnten wenig Platz finden.
Und ich sause weiter, schweren Herzens, gefangen in wirren Selbstvorwürfen, im nächsten Geschäft ein Kilo Bananen zu kaufen und an Joannis zu denken, der seine Euros abzählt, um mit einem belegten Brot seinen Hunger stillen zu können.
I am writing to you as a deeply concerned European who has long admired the values the United States once represented to the world.
At present, many of us are watching with great alarm as Donald Trump undermines institutions, norms, and principles that made the United States a beacon of democracy, stability, and hope for so many people around the globe. A country that was once viewed with admiration and affection now appears increasingly fragile.
You were — and in many ways still are — a leading moral voice for a humane, inclusive, and rules-based world order. Your presidency demonstrated that leadership grounded in dignity, empathy, and respect for democratic values is possible.
I respectfully urge you to speak out and remind the world that there is still hope. Above all, I ask you to ensure that your voice is heard — especially within the United States itself. A paralyzing mixture of fear and lethargy appears to have taken hold of the country, reaching deep into Congress. In times such as these, moral clarity from figures like yourself is of immeasurable importance. Unchecked power, division, and the erosion of democratic institutions must not be accepted as inevitable.
With sincere respect, a very concerned European
Sehr geehrter Herr Obama,
ich schreibe Ihnen als zutiefst besorgter Europäer, der die Werte, für die die Vereinigten Staaten lange Zeit standen, stets bewundert hat.
Derzeit beobachten viele von uns mit großer Beunruhigung, wie Donald Trump Institutionen, Normen und Prinzipien untergräbt, die die Vereinigten Staaten zu einem Leuchtturm der Demokratie, Stabilität und Hoffnung für so viele Menschen weltweit gemacht haben. Ein Land, das einst mit Bewunderung und Zuneigung betrachtet wurde, erscheint zunehmend fragil.
Sie waren – und sind in vielerlei Hinsicht noch immer – eine führende moralische Stimme für eine humane, inklusive und regelbasierte Weltordnung. Ihre Präsidentschaft hat gezeigt, dass Führung, die auf Würde, Empathie und Respekt vor demokratischen Werten beruht, möglich ist.
Ich bitte Sie eindringlich, sich zu Wort zu melden und die Welt daran zu erinnern, dass es weiterhin Hoffnung gibt. Vor allem aber bitte ich Sie, Ihrer Stimme auch und gerade innerhalb der Vereinigten Staaten selbst Gehör zu verschaffen. Eine lähmende Mischung aus Letargie und Angst scheint das Land erfasst zu haben – bis tief in den Kongress hinein. In einer solchen Zeit ist moralische Klarheit von Persönlichkeiten wie Ihnen von unschätzbarem Wert. Unkontrollierte Macht, Spaltung und der Abbau demokratischer Strukturen dürfen nicht als unvermeidlich hingenommen werden.
Mit aufrichtigem Respekt, Ein sehr besorgter Europäer
„Testen, fördern und verpflichten“ – so titelte die Dolomiten (6.–8. Dezember 2025). Ein Jahr lang haben SVP-Mandatare über Maßnahmen zur Sprachförderung beraten, um den „unzureichenden Deutschkenntnissen im deutschen Bildungssystem entgegenzuwirken“ (ebd.).
Doch was gilt hier eigentlich als „unzureichend“? Was können Schülerinnen und Schüler im Jahr 2025 angeblich nicht mehr, was ihnen die PISA-Studie 2018 noch attestiert hatte? Handelt es sich einmal mehr um politisch-ideologisch gefärbte Panikmache – oder schlicht um zugespitzte Schlagzeilen wie „Der Zustrom ohne Deutschkenntnisse gefährdet Südtirols Bildung“ (Unser Tirol.com, 22.11.2025) In den sozialen Medien finden sich solche und ähnlich dystopisch zugespitzte Aussagen – scharf, emotional und kaum differenziert. Eine klassische Panikmache oder doch Realität?
Laut PISA 2018 lagen die deutschsprachigen Schulen Südtirols auf hohem Niveau: Während der OECD-Durchschnitt 487 Punkte erreichte, kam Südtirol auf signifikante 505 Punkte – und lag damit vor Deutschland, der Schweiz und Österreich. Für PISA 2022 liegen bislang keine detaillierten Auswertungen vor. Die verfügbaren Daten zeigen jedoch, dass Südtirol in der Lesekompetenz weiterhin über dem OECD-Durchschnitt liegt, auch wenn der Abstand geschrumpft ist. So berichtete das Presseamt des Landes am 6.12.2023 zu PISA 2022: „Bei der Lesekompetenz erreichten die Jugendlichen an den deutschen Schulen 489 Punkte. Das Ergebnis hebt sich weder statistisch signifikant vom OECD-Durchschnitt (476 Punkte) noch vom Mittelwert für Italien (482 Punkte) ab.“ Im internationalen Vergleich reiht sich Südtirol damit auf Platz 15 ein – gemeinsam mit Dänemark, Polen und Tschechien. Finnland liegt knapp davor, Taiwan auf Platz fünf, Estland auf Platz sechs. Spitzenreiter ist Singapur.
Vom internationalen PISA-Programm zur nationalen Lernstandserhebung 2024/25: „In der Unterrichtssprache Deutsch erreichen knapp 72 Prozent der Mittelschülerinnen und Mittelschüler den Mindestanforderungsbereich, in der Oberstufe sind es 83 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahresdaten sind keine nennenswerten Veränderungen festzustellen“ (News Presseamt der Autonomen Provinz Bozen / https://deutsche-bildung.provinz.bz.it/de/evaluation) Die Zahlen zeigen somit insgesamt stabile Befunde.
Dennoch werden diese Befunde politisch häufig fehlgedeutet. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Zusammensetzung der Schülerschaft in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat: Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationsgeschichte stoßen zunehmend an ihre pädagogischen Belastungsgrenzen – und teils darüber hinaus. Einige politische Akteure nutzen diese Entwicklung populistisch, statt sie sachlich einzuordnen. Verstärkt wird diese Verzerrung durch die Algorithmen sozialer Medien, die solche dystopischen Narrative begierig aufgreifen und weiter zuspitzen.
Missverständnis 1: „Die einheimischen deutschsprachigen Kinder können immer schlechter Deutsch.“
Die vorliegenden Daten differenzieren nicht nach Herkunftssprache. Sinkende Gesamtergebnisse lassen daher keinen Rückschluss darauf zu, dass die Kompetenzen einheimischer Schülerinnen und Schüler zurückgegangen wären; vielmehr spiegeln sie vor allem die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft wider. Werden Lerngruppen heterogener, verschieben sich statistische Mittelwerte zwangsläufig – ohne dass dies etwas über die individuelle Leistungsentwicklung einzelner Gruppen aussagt.
Für eine faire Interpretation müssten die Ergebnisse innerhalb der jeweiligen Gruppen differenziert betrachtet werden, etwa zwischen einheimischen Kindern, Migrantinnen und Migranten, die seit mindestens fünf Jahren in Südtirol leben, sowie Neuankömmlingen.
Ein Beispiel verdeutlicht den Effekt: Einheimische deutschsprachige Kinder erreichen in der Regel Mindeststandards zu etwa 90–95 %. Migrantenkinder, für die Deutsch eine Zweit- oder Drittsprache ist, liegen dagegen häufig nur zwischen 40 und 60 %, abhängig von Herkunft, Aufenthaltsdauer und bisheriger Schulbildung.
Missverständnis 2: „Inklusive Maßnahmen schaden den einheimischen Kindern.“
Die deutschen Schulen übernehmen heute Aufgaben, die es in dieser Dichte früher kaum gab: die systematische Förderung von Deutsch als Zweitsprache, die Alphabetisierung in einer für viele Kinder nicht familiären Sprache, die Integration von Schülerinnen und Schülern ohne vorherigen Kindergartenbesuch sowie eine umfassende sozialpädagogische Begleitung. Diese zusätzlichen Anforderungen binden erhebliche personelle und zeitliche Ressourcen und verändern den schulischen Auftrag grundlegend.
Eine häufig zitierte internationale Studie („Effects of inclusion on students with and without special educational needs“, Ruijs & Peetsma, 2009) kommt zu dem Ergebnis, dass inklusiver Unterricht überwiegend neutrale bis leicht positive Effekte auf die schulischen Leistungen hat. Die empirische Evidenz spricht damit – zumindest in vielen untersuchten Kontexten – gegen die Annahme, dass Schülerinnen und Schüler ohne Förderbedarf durch Inklusion leistungsmäßig benachteiligt würden. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Umsetzung: Wo ausreichend Unterstützung, differenzierter Unterricht und professionelle Begleitung vorhanden sind, profitieren alle Lernenden nicht nur einzelne Gruppen. Das Lernklima insgesamt profitiert und mit ihm die Motivation und die Freude an der Leistung.
Zentrale Quellen, die keine Leistungsminderung festgestellt haben:
OECD 2015: Immigrant Students at School
National Bureau of Economic Research, 2017: Unwelcome Guests?The Effects of Refugees on the Educational Outcomes of Incumbent Students.
World Bank Group, 2018: The Effect of Immigrants on Natives’ School Achievement.
Europäische Kommission, 2019: The Effect of Non-Native Pupils on Natives’ Learning: Evidence from the EU
http://www.ifo.de: „i bambini locali non hanno mostrato alcun effetto negativo dovuto unicamente alla percentuale di migranti; al contrario, il loro rendimento ha beneficiato del livello generale di rendimento della classe.“
http://www.svr-Migration.de / Der Sachverständigenrat für Integration und Migration Berlin stellt 2024 in seinem Forschungsbericht folgendes fest: „Bei vergleichbarem sozioökonomischen Hintergrund und ähnlicher Sprachkompetenz werden keine nennenswerten Leistungseinbußen für einheimische Kinder nachgewiesen, wenn der Migrantenanteil steigt.“
Eine große Studie in den USA mit 1,3 Mill. US einheimischen Schüler:innen (www.education.week) stellt folgendes fest: „“Our study puts the lie to the narrative that immigrant kids bring your classroom down,” Figlio said. “We looked at all sorts of different subgroups. We never found any evidence of a negative. The worst-case scenario we found for native-born students was a zero effect, that more immigrant kids in the classroom didn’t hurt or help. But the prevailing evidence we found was that immigrant students help.”
Die Schülerschaft ist zunehmend heterogen. Das Bildungssystem steht damit vor wachsenden Integrations- und Sprachförderaufgaben, auf die die Politik zu reagieren hat. Die Reaktion, Lernstandserhebungen bei Vierjährigen einzuführen trägt nicht zur Lösung bei; Erzieher:innen und Lehrer:innen wissen längst, was notwendig wäre. Schlagzeilen, die das „Ende der deutschen Sprache“ heraufbeschwören, sind kontraproduktiv und unverantwortlich.
Zu den Lernstandstests, wie sie bekanntlich von den SVP Mandatsträgern vorgeschlagen werden, gibt es auch in Deutschland kontroverse Debatten.
In einem Streitgespräch warnt Rahel Dreyer, Professorin für Pädagogik und Entwicklungspsychologie an der Hochschule Berlin: „Ich halte es für absolut schädlich, in dieser Situation auch noch Misstrauen gegenüber der Professionalität des Kitapersonals zu säen“ (Die Zeit, Nr. 52, 4.12.2025, S. 31). Auf den Vorschlag von Petra Stanat, Leiterin des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, verpflichtende Sprachtests einzuführen, entgegnet Dreyer: „Ich bin skeptisch, ob die Vermessung der Kinder die Lösung ist, Tests allein helfen nicht weiter.“ Sie verweist zudem auf die Aussage einer Erzieherin: „Wir sehen den Bedarf der Kinder, wir wissen, was wir tun müssen. Aber wir schaffen es nicht.“
Ein Blick nach Singapur, Taiwan, Australien oder Finnland zeigt, wie Bildungssysteme trotz hoher Belastung stabil bleiben können: Lehrkräfte genießen dort ein hohes gesellschaftliches Ansehen. „Teaching is a professional career path on par with other high-skill industries. With stronger incentives in place, more top-tier graduates may now consider joining the education workforce.“
In der aufgeheizten Debatte in Südtirol geht es darum, mehr Gehör und Wertschätzung zu erlangen. Dass daraus medial der Schluss gezogen wird, die Schule schlittere am Rande einer Krise vorbei, dient der Sache keineswegs.
Wie könnte Südtirol ähnliche Rahmenbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass sich Lehrkräfte wieder mehr wertgeschätzt und wohler fühlen? Finnische aber auch Taiwanesische Beispiele verweisen auf zentrale Bausteine, die auch hier richtungsweisend sein könnten:
Vertrauen statt Kontrolle
Wenige verpflichtende, standardisierte Tests
Ausreichend Zeit für Vorbereitung und individuelle Förderung
Gute Arbeitsbedingungen mit vielfältigen Tätigkeitsfeldern innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers
Einsatz spezialisierter Unterstützungskräfte
Ein klarer Fokus auf das Wohlbefinden der Lerher:innen und Schüler:innen
Ein Lehrberuf mit gesellschaftlichem Prestige
Niederschwellige Beratungsangebote für Lehrkräfte und Lernende
Schulleitungen, die moderieren, begleiten und zuhören
Eine Politik, die sich vor Ort für die Belange der Schulen interessiert – und zuhört
Fehler gelten eher als Lernchance, denn als persönliches Scheitern (Taiwan)
Eine Besoldung, die europäischen Standards entspricht
„Wir wissen, was zu tun ist.“ Jetzt braucht es politische Verantwortungsträger, die zuhören und die bestehenden Probleme sachlich, ohne Aktionismus, angehen. Der Philosoph Karl Popper erinnerte daran: „Es ist unsere Pflicht, uns für jene Dinge einzusetzen, die die Zukunft besser machen können“ (Popper, 1994).
Probleme müssen gelöst werden. Ein Blutdruckmessgerät zeigt ein mögliches gesundheitliches Risiko an, behebt es jedoch nicht. Ebenso machen Tests Probleme sichtbar – sie lösen sie nicht.
Es ist schlicht eine Schande, wie wir hier weiter unseren Cappuccino schlürfen, während der Papst – er heißt nun Leo – vom Balkon herab den Frieden predigt, die Mächtigen der Welt viel reden, von Fortschritten fantasieren, und ein gewissenloser Mann in Moskau die Bahnlinie von Tschop nach Barwenkowo in der Ostukraine angreift – mit 291 Passagieren an Bord – und fünf Menschen tötet. (FAZ, 29.1.2026)
Der ukrainische Präsident erklärte, dass in jedem anderen Land ein Drohnenangriff auf einen zivilen Zug als Terrorakt eingestuft würde. Hier jedoch, nicht weit von der ukrainischen Grenze entfernt, beschäftigen uns das zu geringe Kindergeld, der überbordende Tourismus und politische Provinzpossen.
Und der Herr im Weißen Haus meint, dass es „nett“ sei, (very nice) wenn der Herr in Moskau für eine Woche das Töten sein lässt. Trump: „It’s extraordinary cold, record-setting cold over there too…“ (elpais.com, 29.2.26) Und danach kann der angeklagte Kriegsverbrecher wieder loslegen und weiter morden. Mir graut!
Nichts ist daraus geworden. „Very nice“ Am 1.2.26 wurde eine Säuglingsstation angegriffen. 15 Zivilisten starben. Und die Russen scheinen dem Morden ihrer Machthaber einfach nur zuzuschauen. Schweigend – ergeben – gleichgültig? Und das schon vier Jahre lang. Der rumänische Tyrann Ceaușescu wurde 1989 beim Volksaufstand von einer aufgebrachten Menge an die Mauer gestellt und erschossen. Mussolini ging es 1945 genauso. Assad war zu feige, um sich der Wut der Menschen zu stellen und haute ab. Den Naziverbrecher Eichmann hatte man gejagt und hingerichtet. Gerechtigkeit wird den Preis einfordern – früher oder später – immer! Die Geschichte lügt nicht. „Wer das Schwert nimmt wird durch das Schwert umkommen.“ (Mattäus 26.52) Oder Thomas Jefferson: „Gottes Gerechtigkeit kann nicht ewig schlafen“
Fichtenwald im Nebel, Sonnenaufgang, Sexten, Foto s/w 2025, hjr.Drei Zinnen Massiv wolkenverhangen, 2021, Foto, hjr.Wörthersee vom fahrenden Zug aus, 2025, Foto hjr.Vollmond-Supermond, 6. November 2025, Foto hjr.Kronplatz, Oktober 2025, Foto hjr.Blumenwiese, Sexten, Waldheim, 2025, Foto hjr.Strand Bibione, Juni 2023, Foto hjr.Zugfahrt Wien-Lienz, in der Nähe von Klagenfurt, November 2025, Foto hjr.Bruneck vom Kronplatz gesehen, Oktobet 2025, Foto hjr.Waldboden, Spätsommer Sexten, Sonnenaufgang, Kreuzbergpass, 2025, Foto hjr.Innsbruck mit Nordkette, November 2024, Foto hjr.Park mit Eisfläche, Sexten/Moos, „Waldile“, März 2025, Foto hjr.Seerosen, Neuss-Grimlinghausen 15, 2024, Foto hjr.Rhein Ufer, Neuss, Grimlinghausen, 2023, Foto hjr.Herbstastern, Garten Sexten, Oktober 2025, Foto hjr.Hornischegg, Abend im Hochsommer, 2025, Foto hjr.Nach einem Gewitter mit Wolkenbruch und kurzer Aufhellung, Sexten, Juli 2021 Foto hjr.Paris , Champs-Élysée, 2010, Foto hjr.Wintermorgen mit Vollmond in Bruneck, Tschurtschenthaler Park, 2018, Foto Nikon, s/w hjr.Paris, Metro, in einer historischen Station mit Musikband, 2010, Foto s/w hjr.Sonnenaufgang am Strand von Bibione, Juni 2018, Foto hjr.Theatergarderobe Stadttheater Neuss, August 2025, Foto hjr.Wien, Burgtheater am Universitätsring, 2017, Foto hjr.New York, Central Park, 2018, hjr.Sexten, Winter, Alpe-Nemes-Straße, 2021, Foto hjr.Valletta, Malta, 2016, Foto hjr.Paris, Café in der Champs Élysée, 2010, Foto hjr.Paris, Aufzug Eifelturm, 2010, hjr.Madrid, in der Plaza de Oriente, gegenüber dem Palacio Real, 2016, Foto hjr.Madrid, Gran Via, Hintergrund Edificio Espana, 2016, Foto hjr.New York, the Statue of Liberty, 2018, Foto hjr.New York, Empire State Building, teilweise im Nebel 2018, Foto hjr.Barcelona Avenida da Liberdade, Calçada-Portuguesa-Mosaik, mit maritimen Motiv Mehrspuriger Boulevard, Prachtstraße Barcelona April 2017, Foto hjrLissabon, Alfama – der älteste Stadtteil Lissabons. Hanglage zur Tejo-Mündung, April 2017, Foto hjr.Barcelona, März 2016, katalanische Gewölbetechnik: Volta catalana, sehr typisch für Barcelona und Katalonien vom 18.–20. Jh., Foto hjr.Ringelblume oder auch Sonnwendblume genannt, 2024 Sexten, Foto hjr.Dürrensee, Nebel mit Sonne, 2025, Foto sm.Park Sexten/Moos „Waldile“ mit Schneeflocken, März 2025, Foto hjr.Geschwungene Mosaikbank (trencadís), entworfen von Antoni Gaudí. Katalanischer Jugendstil, im Ortsteil Plaça de la Natura, Gaudis berühmtestes Werk: Sagrada Familia, Barcelona, 2016, Foto hjr.9.August 2025, Rheinufer Neuss hinüber zum Rheinufer von Düsseldorf mit dem Fernsehturm im Hintergrund,Foto hjr
Katja Petrowskaja in ihrem Buch ‚Als wäre es vorbei’, 2025: „….Nun sind schon fast zwei Wochen vergangen, seit die russische Rakete sie (Victoria Amelina) tötete, zusammen mit zwölf anderen Zivilisten in einer Pizzeria in Kramatorsk…“
„….Gerade eben noch war sie (Victoria Amelina) in Kyjiw auf der Buchmesse ‚Arsenal‘, hatte mit kolumbianischen Autoren diskutiert, hatte das Tagebuch des von Russen getöteten Kinderbuchautors Wolodymyr Wakulenko vorgestellt. Sie selbst hat es dort aus der Erde ausgegraben, wo der Autor es versteckt hatte, als die Russen kamen. Wakulenko wurde im Massengrab von Isjum gefunden….“
Katja Petrowskaja zitiert die von den Russen ermordete Victoria Amelina: „Die Realität des Krieges / verschlingt die Satzzeichen / die fortlaufende Geschiche / die Zusammenhänge / verschlingt sie / als hätte ein Geschoss / die Sprache getroffen / Gesplitterte Sprache / klingt nach Dichtung.“
Am 21.8.2022 schrieb Katja Petrowskaja, zitiert in ihrem Buch: ‚Als wäre es vorbei‘: „Seit einem halben Jahr wird Charkiw, die zweitgrößte Stadt in der Ukraine, regelmäßig beschossen, vor allem zivile Objekte. Jeden Tag, seit Wochen, seit Monaten….“
„Es kommt vor, dass es Situationen gibt, wo man nichts mehr sagen kann, wirklich sprachlos ist – es ist alles nur ein Ahnbarmachen.“ (Pina Bausch, Tanztheater Wuppertal)
Wenn „Die Zeit“ am 30. Dezember 2025 die Verkommenheit der globalen Elite beschreibt (Heinrich Wefing), dann wirkt das selbstzufriedene Elitegehabe mancher Schulen nur noch grotesk. Statt Statusrituale und Distinktionsneurosen zu pflegen, sollten alle Schulen das lehren, was zählt: ein einfaches, moralisch anständiges Leben, das keine soziale Eitelkeiten zu transportieren hat. (hjr.)
Ich war völlig baff – oder, treffender gesagt: sprachlos –, als ich aus berufenem Mund hörte, dass es den einst so hoffnungsvoll begonnenen Aufbruch an der Schule (Sowi-Gym) nicht mehr gibt. Abgesagt. Einfach weg. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: mit breiter Unterstützung und echter Wertschätzung. Die Initiative kam von unten und wurde von oben getragen. Ein trauriges Lehrstück darüber, wie Transformation abgewürgt werden kann. (hjr.)
„Historisches Orientierungswissen kann sehr helfen, Demokratie sowie Grund- und Freiheitsrechte weiterhin zu verteidigen. Sie sind tatsächlich nicht selbstverständlich. Demokratie muss gelebt und verteidigt werden. Ein Blick zurück in die Geschichte hilft also absolut, wird jedoch viel zu wenig getan. Ich hoffe sehr, dass unsere Generation nicht so endet wie die Generation meiner Großeltern und Urgroßeltern im Ersten Weltkrieg, der die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts gleich mit impliziert hat.“ (Oliver Rathkolb, Zeithistoriker, Ö1, 2.1.26)
Vielleicht ist Gerechtigkeit weniger eine Frage der Antworten als eine der Verantwortung dessen, was wir aus unserem Glück, unserer Sicherheit und unserer Freiheit machen – im Wissen darum, dass sie anderen verwehrt bleibt. (hjr.)
Trumps Überfall auf Venezuela: „Das ist nicht „komplex“, wie es von der Bundesregierung dargestellt wird. Es ist ein Angriff auf Regeln und Werte, die eigentlich für alle gelten sollten – als Grundlage für Frieden, Sicherheit und den weltweiten Schutz der Menschenrechte. Wenn Deutschland und Europa jetzt nicht unmissverständlich Haltung zeigen, droht eine Weltordnung, in der Macht über Recht steht.“ (Julia Duchrow Generalsekretärin Amnesty International in Deutschland, 8.1.2026)
Serhij Zhadan, Ukrainer, Lyriker, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels: „Es erwarten Menschen den Abend, die Schnecken gleichen, so hart schlafen sie auf den Bahnhöfen, so tief. Gebrochen die Grenzlinie wie ein Kiefernzweig. Der Weg ist schwer, wenn du dein Haus und dein Gestern auf dem Rücken trägst………“ (Aus: Chronik des eigenen Atems, Suhrkamp)
Der Schweizer Psychoanalytiker Arno Gruen: “Die Drogensüchtigen sind nicht die Schlimmsten. Es gibt andere Süchtige, die die Kriege machen, aber die stufen wir nicht als Süchtige ein…..Leute, die den Tod anderer suchen, erhalten sich nur am Leben indem sie anderen Menschen was zufügen.“ (Arno Gruen im Interview mit hjr.)
Am 2.März 2022, kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine schrieb ich einen Brief an den HGV Südtirol mit der Bitte, den Russen keine touristischen Aufenthalte zu ermöglichen. Die Antwort lautete, ich zitiere aus dem Brief des HGV: „Maßnahmen, mit denen Russ:innen der Urlaub in Südtirol verwehrt wird, erachten wir (daher) als nicht dienlich.“
Geschäft ist halt Geschäft oder wie es der römische Kaiser Vespasian, 1.Jh n.Chr. ausdrückte: „pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht). In der Dreigroschenoper von Berthold Brecht heißt es: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“
“I’m the captain of my soul.” Die letzte Verszeile von William Ernest Henley 1875. “Egal wie schmal das Tor, wie groß, wieviel Bestrafung auch ich zähle, ich bin der Meister meines Schicksals, ich bin der Kapitän meiner Seele.“ (Invictus von William Ernest Henley)
Der persische König Xerxes, so heißt es in der Legende, lies einst das Meer auspeitschen, nachdem ein Brückenbau über die Meeresenge Hellespont (Dardanellen) scheiterte. Wie nahe sind sich doch die Herren Xerxes, Trump, Putin, Xi Jinping.
Die Künstlerin Katharina Raab in Kulturzeit am 22.2.26: „Ich glaube nicht, dass es unpolitische Kunst gibt. Ein orange getönter Faschist mit Allmachtsphantasien, über den man sich kaputtlachen könnte, wenn er nicht so gemeingefährlich wäre, wird ganz offiziell wiedermal US Präsident. Bezogen auf die momentane Weltlage möchte ich gern einen meiner Lieblingsautoren nämlich Erich Kästner zitieren: ‚Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegen zu stellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!‘ Und egal wie besorgniserregend diese Welt ist, ich glaub ganz fest daran, dass unsere Liebe so viel stärker ist, als der Hass, den diese Machthungrigen und absolut erbärmlichen Gestalten versuchen zu verbreiten.“
Kürzlich stellte er sich vor als der „alte Mann und das Gebirge“. Dies erinnert an Hemingways Roman „Der alte Mann und das Meer“. Doch was folgt, ist kein epischer Kampf mit der Natur, sondern eine stille Auseinandersetzung mit Sprache und Welt. Kurze, scharf geschnittene Sätze und Satzteile, spitze Wortsplitter mit ironischem Blick auf die Welt.
Oft sind es rätselhafte Bilder. Ein Leben, das nicht in Chronologien aufgeht, sondern in Gedankenfragmenten, in Wortspielen, die sich wie Karusselle drehen: kreisend, schwindelerregend, manchmal abrupt endend. Und die literarisch verdichteten Gedanken stehen da, ohne Interpunktionen. Der Leser muss den Rhythmus selber herausfinden. Wo ist der Punkt zu setzen, wo der Beistrich, welche Pause macht Sinn, welche geht gar nicht. Manchmal nicht ganz einfach, aber die Anstrengung lohnt sich. Einfacher ist es da schon, wenn man dem Friedl zuhören kann.
Doch bei aller Verspieltheit bleibt ein Ernst: die Suche nach dem Menschen in einer Gegenwart, die ihn zu überdecken scheint. Das Gedicht „Spuren im Sand“ macht das deutlich:
//spuren im sand / horizontal / und hin zum wasser / vertikal / und hin zu den liegestühlen / die unzähligen sohlen / drücken die nummern nicht ab / numeriert und sichtbar / nur liegestühle und sonnenschirme / spuren im sand / du kannst den weg hin zum meer / nie verfehlen / wohl aber, wenn du einen menschen suchen möchtest//
Den epischen Kampf um die Rechte der Natur sucht man in seinen Texten vergeblich. Doch der Kampf ist – unüberhörbar. Mit expressiven Einwort-Bildern nennt er die Dinge beim Namen und zieht die Leser in sein ironisches Spiel hinein:
//atem-not / pasticceria / ice-cream / eisige zeiten / dunst / in der zuckersüßen / provinz//
Sieben Zeilen genügen Friedl, um eine Welt aufzuspannen: Atemnot und Eiszeit gegen Pasticceria und Eiscreme, süße Verlockung gegen düsteren Dunst. Die Provinz wird hier nicht als idyllischer Ort gezeichnet, sondern als erstickend süß, zuckrig überzogen – ein Bild für eine Gesellschaft, die Genuss predigt und Enge produziert.
Friedls Miniatur – 1990 geschrieben – klingt wie ein Vorgriff auf die Gegenwart: auf eine Gesellschaft, die sich mit Konsum und Zuckerwerk betäubt, während sie im Innersten an Atemnot leidet.
Dass sich Friedl auch an der Idylle oder besser gesagt an der Schönheit erfreuen kann, schreibt er mir in einem Brief 1991 vom Bodensee:
//freitrebendes Geäst, winterlich fast frühlingshaft / seegeschwader im entenzug über die ruhige see / möwenversammlung standhaft im gleichförmigen weiß / aus erwärmten federn erröten langgezogene schnäbel / nur eine fette taube scheut nicht mein vorbeigehen…../ slavisches arbeitervolk spaziert friedvoll die mole entlang / ruhiger trägt der see am bodengrund ihre gedanken / aufgeschreckt bin ich vom möwengeschatter / welches raubend sich einen bissen ergattert / erschlafft ist die bühne am see / ergraut das gebälk / die pfähle halten verspielte zeit im wasser fest / wortlose fotografie in der ständig künstlich wechselnden arena….//
Es sind in Worte gefasste Bilder. Friedls Blick bleibt präzise, aber nie idyllisch verklärt. Schönheit zeigt sich bei ihm stets im Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit.
Eine bewegte Kindheit schildert Friedl in seinen Erinnerungen „Der Ungenummne“ Seinen Vater hat er nie kennengelernt:
//1944 endete ein letztes Lebenszeichen unseres vermissten Vaters in Russland //
Die Bomben und die Not zwangen Friedl und seine Familie dazu, sich immer wieder umzusiedeln. Von Innsbruck nach Seefeld, dann über den Brenner nach Sand in Taufers:
//umgeben von eingegrenzten wiesen und feldern / umzäuntes hofleben mit bestimmenden bauern / zu fremden zieheltern kam ein vaterloses kind als ersatz der kinderlosen / in notsituation seiner mutter als der vater in den Krieg zog und vom russischen schlachtfeld nicht mehr nach hause kam / das vermisste blieb immer erhalten er nahm es mit an den hof / als angenommener wurde er aufgenommen mit fremden namen als das erhardmoar-Friedele //
Friedl hat immer Freud und Leid in seinen Texten festgehalten:
//der angenommene hatte als leihkind seine schuldigkeit getan / der mohr konnte gehn als der ziehonkel im sterben lag als der legale erbe den streitbaren hof übernahm mit lautstarkem anspruch: „Alles tote und lebende Erbe gehört jetzt mir..“ / dem angenommenen blieb das geworfene da-sein //
Friedl musste gehn und darauf folgten wieder bewegte Jahre: Abendlehrerbildungsanstalt in Bruneck und Brixen, die 60er Jahre in Frankfurt und:
// zurückgekehrt ins Land des Gebirges / hochgestiegen zu einklassigen Bergschulen….hinuntergestiegen zur stadtschule…../ letzte unterrichtsjahre als grenzschullehrer….in überregionaler Diaspora / entlang des dolomitengesteins / im priviligierten ruhestand//
Friedl definiert sich als Grenzgänger, er sprengt Konventionen und fügt sie wieder so zusammen, wie es ihm passt. Er ist ein Gedanken- und Wortzerstückler, er ringt nach Bedeutung und findet diese oft in der Entzauberung, die nicht selten eine zärtlich-aggressive Melancholie mitschwingen lässt. Friedl ist ein Träumer zwischen den Ruinen im Wildbad und gleichzeitig ein Kritiker neureicher Tirolerklischees und von Tiroler Engstirnigkeit.
Gedanken von Hansjörg Rogger
Die Verszeilen sind mit / voneinander abgetrennt, der Anfang und das Ende des Textes sind mit // gekennzeichnet.
Nur wenige Sendungen rechtfertigen den Begriff Kultur so überzeugend wie diese.
Wir haben uns daran gewöhnt, Kultur in Hochglanzprogrammen zu suchen: im Opernhaus, im Schauspiel, im Sinfoniekonzert. Kultur – das klingt nach Abendgarderobe, Eintrittskarte, ehrfürchtigem Schweigen im Saal und Folkloreabend. Doch dieses Bild ist bequem – und einseitig.
Die Kulturzeit wählt seit jeher den unbequemen Weg. Wenn im August die Sommerpause beginnt, vermisse ich nicht nur diesen Weg, sondern auch Cecil Shortman, Vivian Perkovic, Lillian Moschen, Nina Mavis Brunner, Ariane Binder. Sie folgen nicht eingeübten Stilfiguren mit fein angelernten Handbewegungen, sondern dem, was sie für gut und richtig halten – keine allabendliche Prosa. Sie sind Meisterinnen ihres Faches.
Kultur entscheidet sich nicht nur auf den Bühnen, sondern im Alltag: im friedlichen aber auch gewaltbereiten Umgang miteinander, im Widerstand kluger Köpfe gegen Despoten, in jener Toleranz, die Demokratie erst möglich macht. Kultur steckt im Dialekt, den wir sprechen, in den Festen, die wir feiern, in den Geschichten, die wir unseren Kindern erzählen. Sie zeigt sich am gedeckten und ungedeckten Tisch, im Streit ebenso wie im Gespräch, in Literatur, Geschichte, Musik – und nicht zuletzt im Aufbegehren gegen jedweden Dogmatismus und Kulturrevanchismus. Sie steht für Vielfalt und Offenheit.
Und genau das bietet Kulturzeit: Reflexion statt Pose, Vielfalt statt Floskeln. Sie stellt sich quer zu jener Elitekultur nach dem Motto „sehen und gesehen werden“. Eine Sendung, die Haltung zeigt. Denn Kultur ist keine Dekoration und Zurschaustellung von Folklore – sie ist die Verteidigung unserer Freiheit und damit unseres Denkens. Das alles verbinde ich mit der Kulturzeit. Sie lässt mich sehen und hören, was sonst im Stream der Masse unhörbar bleibt.
Es war immer sehr schön zu sehen, wie anders der Abgang um kurz vor 20.00 Uhr gestaltet wurde. Ein kleiner Regie-Gruß, wenn der Verantwortliche für einen kleinen Moment ins Bild trat. Nebensächlich vielleicht, aber erfrischend. Seit einiger Zeit ist diese Geste verschwunden. Gründe mag es geben. Schade bleibt es dennoch.
Es gehört zu den bitteren Ironien der Geschichte, dass die Menschheit trotz all ihrer Katastrophen nie müde wird, sie zu wiederholen. Zwei Männer prägen in diesen Tagen das Weltgeschehen – und beide stehen für eine Politik, die nicht auf Recht und Freiheit zielt, sondern auf Gewalt und Unterdrückung.
Dass sich im Westen dennoch Stimmen finden, die ihnen – sei es aus Naivität, sei es aus Kalkül – den roten Teppich ausrollen, macht die Sache umso schwerer erträglich. Ebenso unerträglich ist es zu sehen wie Kinder, Frauen und Männer niedergebombt werden und der Vorschlag für den Friedensnobelpreis über den Tisch gereicht wird. Der Zynismus der Macht siegt über die Lehren der Vergangenheit. Man setzt ein politisches Signal, demonstriert Macht und will das Bild im öffentlichen Diskurs für sich umdeuten und vereinnahmen. Ein geopolitisches mörderisches Spiel, das infamer nicht sein kann. Ein Palästinenser aus Gaza Stadt berichtet in der SZ vom 22.8.25: „Ich bin müde, ich weiß nicht mehr weiter, wir haben nur noch Angst, daraus besteht unser Leben.“
Ich erinnere mich an die Erzählungen meiner Familie: Mein Großvater trug die Schatten des Ersten Krieges, mein Vater die Kälte Finnlands. Aus dieser Last erwuchs in mir die Hoffnung, dass die Welt sich eines Tages gegen die Tyrannei wappnen würde – dass meine Generation, und die danach, in einem anderen Rhythmus leben könnte – im Takt von Freiheit und Recht und tatsächlichem Frieden.
Doch diese Hoffnung ist zerplatzt. Mit der Annexion der Krim, dem Krieg in der Ukraine und den Bombennächten über Gaza verschwand sie wie eine Seifenblase – einfach nicht mehr da. Die Illusionen der 1960er Jahre, als man an Fortschritt, Dialog und eine friedlichere Welt glaubte, wirken heute wie Relikte aus einem Traum.
Es gab ein kurzes Leuchten. Mit Gorbatschows Glasnost und Perestroika blitzte die Idee einer anderen Politik auf – offener, menschlicher, fast wie das Aufstoßen von Fenstern, durch die die frische Luft hereinwehen konnte. Doch heute sind diese Fenster wieder geschlossen. Die Hoffnung liegt begraben, beinahe vergessen – zusammen mit Gorbatschow selbst. Sein Grab verhöhnt, dem Vergessen und Verdrängen preisgegeben.
Am Ende bleibt nur, sich an Worte zu klammern, die älter sind als unsere Gegenwart – und doch hell in sie hineinleuchten. Thomas Jefferson bekannte einst, im Blick auf die Sklaverei: „Ich zittere für mein Land, wenn ich bedenke, dass Gott gerecht ist; dass seine Gerechtigkeit nicht ewig schlafen kann.“ Und Berthold Brecht erinnerte nüchtern: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Wer sie weiß und eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“ Und Willy Brandt weist darauf hin, dass sich letztendlich der, der Völkerrechte bricht und Kriegsverbrechen begeht die eigene Existenzgrundlage gefährdet. „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ (Matthäus 26,52) Im Englischen heißt es: „Cutting the branch you are sitting on.”
„Am Anfang war die Tat!“ – So ruft Faust, nachdem er das „Wort“ verworfen, den „Sinn“ erwogen und die „Kraft“ durchschritten hat. Goethes Held ringt mit dem Urbeginn – und erkennt schließlich: Nicht Denken, nicht Reden, sondern Handeln ist Ursprung der Welt. Die Tat wird zum ersten Prinzip, zum schöpferischen Akt, nur sie kann Wirklichkeit stiften.
Als ich Barbara Seebers Planet Drums zum ersten Mal sah – und nun wieder in ihrer jüngsten Performance –, drängten sich mir Goethes Urworte auf. Da kreisen stilisierte Erdkugeln, erfüllt von Worten, Farben und Klängen – als wären sie selbst Metaphern des Schöpfungsbeginns. Nicht zufällig rufen sie Fausts Ringen um das Ursprüngliche in Erinnerung: das Wort, der Sinn, die Kraft – und schließlich die Tat. In Planet Drums scheint all dies zu pulsieren – eine verdichtete Weltidee – divers, friedvoll, bunt und inspirierend.
Es ist nicht das, was uns die rechten Hitzköpfe und Verschwörer weismachen wollen. Kein Lärm, kein Aufruhr, keine Gewalt – sondern ein Innehalten. Für einen flüchtigen Moment entziehen sich die Planet Drums der Gewalt der Welt, jener Zerstörungskraft, die aus imperialer Gier Tag für Tag neues Elend gebiert.
Und doch sind sie kein bloßer Trost. Ihre Form ist elementar, fast urbildlich – kugelrund, atmend, offen. Sie vibrieren nicht nur im Klang, sondern im Sinn. In ihnen klingt eine Ahnung von Welt: das Viele im Einen, das Eine im Vielen. Schwingung als Widerstand, Klang als Erinnerung an ein Gleichgewicht, das wir längst verloren haben – und vielleicht wiederfinden könnten.
Seeber formt sie von Hand aus schamottiertem Ton, langsam getrocknet, in zwei Bränden gehärtet. Im abschließenden Raku-Verfahren, glühend aus dem Ofen geholt und in organischem Material reduziert, entstehen jene markanten schwarz-bronzierten Oberflächen: ein Spiel aus Glanz, Schatten und Zufall. Jede Trommel ein Planet.
Inspiriert von der afrikanischen Udu und der indischen Ghatam, sind die Planet Drums Einzelstücke. Ihre Form: geschlossen und offen zugleich. Zwei Öffnungen erzeugen zwei Basstöne, dazwischen ein schimmerndes Spektrum vibrierender Obertöne – warm, hypnotisch, haptisch begehrenswert. Geht man an Ihnen vorbei, möchte man sie angreifen, die Rundung streichend fühlen.
Seeber geht über das Klangobjekt hinaus. In ihren literarischen Planet Drums fügt sie Sprache hinzu: Zoderer, Oberhollenzer, N.C. Kaser. Die Trommel wird zum Träger von Bedeutung, der Klang zum Resonanzraum des Gedankens. Wort und Ton, Literatur und Rhythmus treten in einen leisen, vibrierenden Dialog. „Wenn die Planet Drum in Schwingung versetzt wird, werden auch die Botschaften ins Schwingen gebracht und verbreitet.“ Zoderers „Meine Nacht blutet nicht mehr, ich habe ihre Wunde geschlossen, mit meinen Lippen“ Ein poetisches Fragment, berührende Momentaufnahme vor allem in diesen Zeiten, wo mörderische Gewalt viele Nächte bluten lässt.
Goethes Faust ringt mit dem Anfang: „Im Anfang war das Wort“ – doch er streicht es, tastet sich weiter vor – zum Sinn, zur Kraft – bis zur Tat. Genau diesen Übergang scheint Barbara Seeber zu vollziehen: Ihre Kunst ist nicht Behauptung, sondern Handlung, Verkörperung, klanglich gewordene Weltauffassung – eine poetisch friedvolle, auf Dialog fokussiert. Sie setzt das Wort, den Klang und die Schwingung an den Anfang allen Seins. Denkt man an den Urknall, dann mag Barbara Seeber recht haben. Und doch wieder nicht, wenn man der physikalischen Gesetzmäßigkeit folgt, dass Klänge, Geräusche und auch Worte nicht aus dem Nichts entstehen können.
Hansjörg Mutschlechner hat die Musik zum Film komponiert, der anlässlich der Präsentation gezeigt wurde: „Von jeher war der Klang eine Brücke zum Universum, der es ermöglicht, Energie und Schwingungen zu erkennen und uns mit ihnen zu verbinden.“ Sagt Hansjörg Mutschlechner.
Und die Mantra Planets vermitteln eine Ahnung davon, was gut ist auf unserem Planeten: „Kein einziger Mensch soll verloren gehen.“
Hansjörg Roggers Gedanken zu den Planet Drums und zur Performance von der Künstlerin Barbara Seeber im Schloss Bruneck
Die Ausstellung im Rudolf-Stolz-Museum in Sexten öffnet den Blick auf eine der leisen, doch entscheidenden Gegensätzlichkeiten des Daseins: die Spannung zwischen Stille und Lautheit. Dieses Gegensatzpaar reiht sich ein in die großen Polaritäten des Menschseins – Ordnung und Chaos, Körper und Geist, Gut und Böse, Freiheit und Sicherheit. Stille und Klang markieren dabei keine bloßen Gegensätze, sondern Pole eines schwingenden Kontinuums, das unser Leben durchzieht. In ihrer Reibung entfaltet sich Erfahrung: Die Stille gewinnt Bedeutung erst im Widerhall des Lauten, das Laute erhält Tiefe erst im Hintergrund der Stille.
So nähere ich mich der Ausstellung, geleitet von der Frage, was Stille in einer Welt bedeutet, die sich immer mehr ins Laute, ins Sichtbare, ins Mitteilbare drängt. Unwillkürlich tritt Rainer Maria Rilke vor mein inneres Ohr – jener Dichter, der die Stille nicht als bloße Leere verstand, sondern als Raum. Ein Raum des Werdens, der Tiefe, der Gegenwart des Unaussprechlichen.
In seinem Gedicht „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ formuliert Rilke eine radikale Skepsis gegenüber einer Sprache, die alles benennt, fixiert, erklärt – und dabei den Zauber der Dinge raubt. Die Sprache, die zu viel weiß, macht die Welt stumm.
„Kein Berg ist ihnen mehr wunderbar.“
So wird die Stille nicht nur zum Gegenpol des Lauten, sondern zum Widerstand gegen das Zuviel an Gewissheit – ein poetischer Schutzraum für das, was sich nicht sagen lässt, aber dennoch da ist.
In diesem Sinne fordert Stille in der Kunst, das Übermaß an Gewissheiten zu streichen. Sie verlangt Zurückhaltung, damit der stille Zauber der Dinge – des Waldes, der Berge, der Menschen – nicht dem Lauten geopfert wird.
Die Bilder in dieser Ausstellung, sei es in der Malerei oder der Fotografie, sind im Rilkeschen Sinne mit wenig Gewissheiten ausgestattet. Sie drängen keine Erklärungen auf, sondern bergen – vielleicht – jenes Lied, das noch ungesungen in den Dingen ruht.
Joseph von Eichendorff schreibt:
„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort“
Ein poetischer Hinweis darauf, dass der Zugang zu den Geheimnissen der Welt nicht in der bloßen Betrachtung liegt, sondern im Hören, Lauschen, Ahnen.
Nichts schreit, nichts drängt sich auf. Und doch: Unter der glatten Oberfläche von Eduard Angelis Ölbild „Ruhige See“ (2007) pulsiert eine Tiefe, die keine dramatischen Naturgewalten braucht, um spürbar zu werden. In Angelis „Die letzte Glut“ (2014) verschwindet das Licht so leise, dass es mehr im Gefühl als im Bild weiterleuchtet.
Auch Heinz Innerhofers Fotografien – das „Mare Adriatico“ (2023) und die Lärchen im Villgratental (2024) – setzen stillschweigend einen Kontrapunkt zu den lauten, überfüllten Bilderwelten der sozialen Netzwerke.
Innerhofers Wald wirkt stoisch, beinahe abstrakt, Angelis Meer bleibt ruhend im kaltgrauen, düsteren Licht . Sie zwingen uns, anders zu sehen – ohne Eile, ohne das Bedürfnis nach Deutung.
Claude Monet, um einen alten Impressionisten zu zitieren, interessierte sich nicht für die genaue Darstellung von Objekten, sondern für das Wechselspiel zwischen Wahrnehmung und Moment. Für ihn war Sehen ein lebendiger Prozess, kein Erfassen von Fakten. Was zählt, ist nicht die feste Form der Dinge, sondern wie sie sich im Licht verändern – und wie dieser Wandel das Sehen selbst verändert.
„Donata Wenders schenkt ihrer Figur Zeit – „Zeit zum Nachdenken“. Doch was wir sehen, ist kaum mehr als eine Ahnung eines Menschen – still sitzend, in sich gekehrt. Die Gestalt bleibt vage, als hätte sie sich von der Deutlichkeit des Sichtbaren zurückgezogen. Ist es Versunkenheit? Einsamkeit? Oder einfach der Wunsch, für einen Moment nur bei sich zu sein, unbehelligt vom Blick der Welt?“
Im ersten Stock, noch bevor der Besucher in die Bilderwelten eintauchen kann, stellt der Künstler Walter Moroder seine Skulpturen „Dança“ (2022), „Son tlo“ (2024), „Arleve“ (2024) und „Ciol“ (2025) aus. Diese Skulpturen begegnen uns wie stille Erscheinungen. Sie stehen im Raum, und doch scheint es, als wären sie mehr im Inneren als im Außen verankert. Nichts an ihnen schreit nach Aufmerksamkeit. Keine Pose, kein Auftrumpfen, keine Geste, die sich in den Vordergrund drängt. Nur die wachen Augen, unverschnörkelt, aufgeräumt, kontemplativ. Moroder formt Figuren, die von ihrer eigenen Zurückgenommenheit leben – Körper, die nicht darstellen wollen, sondern anwesend sind. Sie tragen ihre Stille in sich, als wäre sie ihre ureigene Substanz. In einer Welt der grellen Bilder, der lauten Oberflächen, wirken sie wie Gegenstimmen: leise, aber von einer Kraft, die aus der Tiefe kommt.“
Die Stille kann Schutzraum sein, in dem das Unsagbare bewahrt wird – ein Raum der inneren Wandlung. Doch sie kann auch zum Gefängnis werden, das isoliert und vereinsamt. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich diese Ausstellung im Rudolf Stolz Museum in Sexten. Die Werke laden ein, Stille nicht als Gegensatz zum Lauten zu verstehen, sondern als eine eigene Sprache: eine Sprache, die sich manchmal als zarte Ahnung offenbart, manchmal als drückendes Schweigen. Sie fragt uns, wie viel Raum wir in unserem Leben dem Unausgesprochenen geben. Und ob wir bereit sind, zu hören, was nur in der Stille zu uns spricht.
Es gibt Menschen, für die Stille kein selbstgewählter Rückzugsort ist, sondern ein Gefängnis. Die Fotoreihe von Brent Stirton zeigt eindrücklich das Leben von Betroffenen des Chronischen Fatigue-Syndroms – Menschen, die im eigenen Körper eingeschlossen sind, als hätte sich die Stille wie eine unsichtbare Wand um sie gelegt. Ihre Stille ist kein Raum der Sammlung, sondern der Ohnmacht. Die Bilder erzählen von einem Dasein, das nicht laut werden kann und darf.
Lois Anvidalfarei zeigt am Aufgang zur Ausstellung in seiner Skulptur „In sich“ einen liegenden Mann – zusammengerollt – so als wolle er sich der Welt entziehen. Ist es Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit oder ist es einfach nur der Rückzug aus der Welt?
Anvidalfareis Skulptur hält uns einen Spiegel vor. Ebenso tun dies Thaddäus Salchers „Stimme des Herzens“ und Walter Nagls „Sitzende mit aufgestütztem Kopf“. Sie zeigen uns nicht die Welt, sondern unsere eigene Reaktion auf sie. „Du siehst aus, wie ich mich fühle“* Ich spüre meine Gefühle, meine Fragen, meine Ohnmacht, meine Gegenwart und meine Vergangenheit, meine Ängste und meine Verzweiflung. Im Spiegelbild der Kunst beginne ich, die Welt und mich selbst zu begreifen.
Die akkurat bis ins Detail durchkomponierte Ausstellung im Rudolf Stolz Museum wird kuratiert von Hermann Rogger, Johannes Watschinger, Karl Mayr und ist bis zum 5.10.25 im Rudolf Stolz Museum Sexten zu besichtigen. Prädikat: Besonders Sehenswert
*“Die Zeit“, in der Rubrik „Entdecken“
Gedanken von Hansjörg Rogger zur Ausstellung „Stille-Silence“ im Rudolf Stolz Museum Sexten vom 29.6.25 bis 5.10.25
„In sich“ von Lois Anvidalfarei, Bronze, 2014
Heinz Innerhofer, Lärchen im Villgratental, 2023, Fotodruck auf Dibond
Walter Moroder, Son tlo, 2024, Zirbelkiefer, Glas, Acryl
ich wende mich an Sie bezüglich des Projekts zur Errichtung der neuen Aufstiegsanlage und Skipiste „Drei Zinnen II“. Bei der kürzlichen Vorstellung der Kandidaten zur Gemeinderatswahl wurden Fragen dazu gestellt, auf die nur die Landesregierung antworten kann.
Bekanntlich darf die Skiverbindung auf Sextner Seite in Richtung Hochgruben erst dann realisiert werden, wenn auf österreichischer Seite alle Genehmigungen vorliegen – so der Beschluss der Landesregierung Nr. 711 vom 22.09.2020. Diese Genehmigungen liegen derzeit jedoch noch nicht vor.
Ebenso ist bekannt, dass die Südtiroler UVP-Genehmigung im August 2025 ausläuft. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Gibt es Bemühungen seitens der Gemeinde Sexten und/oder des Landes, eine Baukonzession anzustreben, obwohl die im Beschluss genannten Voraussetzungen bislang nicht erfüllt sind?
Im Jahr 2021 wollte die Initiativgruppe, die sich gegen die neue Aufstiegsanlage „Drei Zinnen II“ richtet, die Sextner Bevölkerung zu ihrer Haltung zum Projekt befragen. Eine solche Umfrage wurde jedoch unter Verweis auf rechtliche Hürden abgelehnt.
Im vergangenen Jahr 2024 hielten es einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Erhebung zur Dorfentwicklung in einer offenen Frage für wichtig festzuhalten, dass keine neuen Aufstiegsanlagen errichtet werden sollen (vgl. http://www.gemeinde.sexten.bz.it).
Für Irritation sorgte zuletzt eine Aussage des Bürgermeisters bei der Wahlveranstaltung am 28. April 2025. Wie bereits erwähnt, darf die Neuerrichtung laut Beschluss Nr. 711 nur erfolgen, wenn das zu erschließende Gebiet die Verbindung mit Sillian (Osttirol) sicherstellt.
Da das neue Skigebiet außerhalb der im Beschluss festgelegten skitechnisch erschließbaren Zone – der sogenannten „Wolke“ – liegen würde, ist die Verbindung mit Sillian-Thurntaler entscheidend.
Es war herauszuhören, dass der Fachplan für Aufstiegsanlagen derzeit überarbeitet wird und im Zuge dieser Überarbeitung die Verbindung „Drei Zinnen II“ in die genannte „Wolke“ aufgenommen wird. Das würde bedeuten, dass die Liftgesellschaft nicht mehr auf die Genehmigungen aus Österreich warten müsste, wenn in nächster Zeit die Landesregierung den Beschluss 711/2020, Seite 6 dahingehend abändert, dass die einheitliche Landesgenehmigung und die Baugenehmigung erlassen werden dürfen, auch wenn auf österreichischer Seite noch nicht alle notwendigen Genehmigungen vorliegen.
Könnte es tatsächlich sein, dass die Landesregierung den Passus streicht, nachdem erst dann gebaut werden darf, sobald auf österreichischer Seite alle Genehmigungen vorliegen?
Wir bitten den Landeshauptmann darum, uns in dieser Angelegenheit zu informieren.
Mit bestem Dank und schönen Grüßen
Hansjörg Rogger
Auch im Namen der vielen Mitglieder des Promotorenkomitees, die im Mai 2021 eine Volksbefragung beantragt hatten und der zahlreichen Einheimischen, die sich klar gegen die Verbindung Sexten-Sillian aussprechen:
i. V. Hannes Happacher, Paul Watschinger, Elfriede Pfeifhofer, Reginalda Tschurtschenthaler
Antwortschreiben des Landesrates für Umwelt in der Südtiroler Landesregierung Peter Brunner
Antwortschreiben von Landesrat Peter Brunner von der Südtiroler Landesregierung
Vor vier Jahren habe ich einen Akku-Rasenmäher von Black & Decker gekauft – mit dem guten Gefühl, eine kluge und umweltbewusste Entscheidung getroffen zu haben. Kein Benzin, kein Lärm, kein Gestank – stattdessen leiser Betrieb und ein reines Gewissen. So lauteten zumindest die Versprechen.
Und diese gingen noch weiter: Ausgestattet mit einem Doppelakku-System, jeweils mit 54 Volt – laut Verkäufer einzigartig auf dem Markt. Ist der eine Akku leer, genügt ein einfacher Schalter, und schon übernimmt der zweite – der Rasen wird ohne Unterbrechung fertig gemäht.
Heute, gerade einmal vier Jahre später, sind die Akkus hinüber. Kein Problem, dachte ich – neue Akkus kaufen, einsetzen, weiter geht’s. Doch was dann kam, war ein Schlag ins Gesicht.
Auf meine Anfrage bekam ich von der italienischen Firmen-Vertretung folgende Antwort:
In merito alla sua richiesta, siamo spiacenti di comunicarle che l’articolo CLM5448PC fa parte di una serie di prodotti obsoleti i cui ricambi non sono più disponibili in stock. Eventualmente, potrebbe provare a contattare uno dei nostri Concessionari regionali per verificare la giacenza presso i loro magazzini o una possibile soluzione alternativa.
Ich antworte:
È davvero deludente che Black & Decker non offra più pezzi di ricambio come la batteria. Quando ho acquistato questo dispositivo quattro anni fa, il negozio me lo aveva vivamente consigliato. E adesso? Cosa dovrebbe succedere secondo Black & Decker? Dovrei buttarlo via? Un‘idea poco lusinghiera. E di certo non un biglietto da visita per la vostra azienda.
Antwort der Firma:
Le chiediamo cortesemente di indicarci il suo codice postale e provincia per indicarle il Concessionario che si occupa della sua zona. In attesa di un suo gentile riscontro, le auguriamo una bellissima giornata.
Erneute Antwort der Firma:
Vogliamo informarla che il concessionario della TRENTINO A.A. e‘ DATEX S.R.L. V.le della Navigazione Interna,85/a PD NOVENTA PADOVANA 35027 049-8071990 info@datexpadova.it può verificare con loro se il ricambio di cui ha bisogno è ancora disponibile da qualche parte.
Ich antworte:
La vostra risposta al mio problema è stata rapida, grazie, ma il fatto che Black & Decker non venda più batterie singolarmente per un dispositivo che mi era stato caldamente consigliato solo quattro anni fa mi ha profondamente deluso. Ho l’impressione che l’azienda abbia riflettuto ben poco sulla sostenibilità in questo contesto. Come acquirente di questa macchina, in futuro eviterò certamente i prodotti Black & Decker. Cosa mi resta da fare, ve l’ho già scritto l’ultima volta: una macchina altrimenti perfettamente funzionante deve essere smaltita. La vostra risposta, ovvero che io debba cercare da solo se da qualche parte si trovi il pezzo di ricambio, è poco lusinghiera. Se mi va bene, ok. Altrimenti finirà nella raccolta differenziata. Immaginate se avessi bisogno di un pezzo di ricambio per la mia auto e l’officina mi dicesse che devo cercarlo altrove.
Letzte Antwort der Firma:
Capiamo quanto sia importante l’attrezzo per il suo lavoro e ci dispiace per le difficoltà che ha incontrato. Di solito solo i centri di assistenza più grandi possono verificare se alcuni pezzi possono essere ritracciati o se c’è qualcosa di compatibile. Se non riescono a trovare i pezzi, purtroppo questi ricambi non possono più essere prodotti. Vi ringraziamo per la vostra comprensione e vi auguriamo una buona giornata.
Das ist also alles, was diese Firma mir mitzuteilen hat. Und das, obwohl die EU-Verordnung 2021/341 unmissverständlich vorschreibt, dass Ersatzteile mindestens sieben Jahre lang verfügbar sein müssen.
Doch damit nicht genug: Was mich vollends sprachlos macht – laut meiner Recherche wird das betreffende Gerät nach wie vor produziert. Man höre und staune: Der Mäher ist erhältlich, aber die passenden Akkus, die als Ersatz dazu dienen könnten, nicht.
Der abschließende, scheinbar höfliche Satz – „Wir danken für Ihr Verständnis“ – wirkt vor diesem Hintergrund nur noch zynisch.
Und nun mache ich mich auf die Suche. Vielleicht finde ich irgendwo, in einem verstaubten Lagerregal, doch noch einen Akku – um die endgültige Entsorgung des Geräts noch wenigstens ein wenig hinauszögern zu können.
Drei Jahre Krieg, zehntausende Tote, Millionen auf der Flucht – und noch immer sitzen manche im Westen mit erhobenem Zeigefinger in ihren warmen Wohnzimmern, nippen am fair gehandelten Kaffee und raunzen über „die NATO-Provokation“. Sie applaudieren einem imperialen Vernichtungsfeldzug, als ginge es um ein geopolitisches Planspiel – nicht um Morde, Folter, Deportationen. Ihre Solidarität gilt nicht den Opfern, sondern dem Aggressor. Und dabei berufen sie sich auch noch auf „Prinzipien“, „Werte“, „Recht“.
Besonders beliebt: das Eigentumsrecht. Doch wehe, man erinnert sie daran, dass genau dieses Recht – das sie angeblich verteidigen – gerade mit russischen Raketen in Schutt und Asche gelegt wird. Dass die Ukraine nicht nur Häuser verliert, sondern Land, Menschen, Geschichte. Dass Eigentum dort nicht enteignet, sondern geraubt wird. Und zwar mit brutaler Gewalt, nicht etwa unter Zuhilfenahme rechtlich fundierter Prinzipien.
Man stelle sich vor: Ein Panzer rollt vor ihr Haus, Soldaten stürmen rein, besetzen den zweiten Stock und hängen eine ihnen fremde Fahne aus dem Fenster. Kein Vertrag, kein Gericht, keine Entschädigung. Einfach so. Und wenn der Widerstand kommt, werden Kinder als Schutzschilde benutzt, deportiert, werdende Mütter ermordet und wahllos niedergeschossen, was ihnen in die Quere kommt. Willkommen im Spiegelkabinett der Doppelmoral.
Und was sagt eigentlich Russlands eigene Verfassung dazu? Überraschung: Sie kennt das Eigentumsrecht. Artikel 35 – jeder darf besitzen, niemand darf willkürlich enteignet werden. Nur mit Gesetz, nur im öffentlichen Interesse, nur mit fairer Entschädigung. Artikel 36 – Grundbesitz, ja. Aber nicht gegen das Allgemeinwohl. Ein schöner Text, ein hübsches Deckmäntelchen für einen Staat, der ihn täglich zerreißt.
Denn was tut der Kreml seit 2014?
Raubzug auf der Krim – ohne Recht, ohne Maß, ohne Scham. „Gesetz“ wird nach Bedarf zurechtgebogen – oder einfach ignoriert. Die Ukraine hat völkerrechtlich verbrieftes Eigentum – das wird mit Panzern niedergewalzt. Das „Allgemeinwohl“ stirbt in Butscha, Mariupol, Charkiw, Kiew usw. usw
Diese russische Verfassungsrealität, die Betonung liegt auf „Realität“, ist eine Farce – sie ist eine Kriegserklärung an das Recht selbst und wird zur Makulatur. So wie es im Roman von Orwell steht: alles ist gleich, aber manche sind eben gleicher. Und wer im Westen glaubt, das alles mit geschlossenen Augen hinnehmen zu können, spielt Komplize.
Und während der Kreml seine eigenen Gesetze in der Pfeife raucht, klatschen manche im Westen immer noch höflich Beifall. Man fragt sich, was schneller geht: das Umdrehen der Werte oder das Ausblenden der eigenen Doppelmoral. Nur eines ist sicher: Wer heute noch glaubt, das Eigentum anderer sei verhandelbar, sollte sich nicht wundern, wenn morgen jemand an die eigene Tür klopft. Nicht zum Reden. Sondern zum Nehmen.
Zusammengestellt von Hansjörg (Johann Georg) Rogger
In einer Rede bezeichnete Wirth Anderlan, Abgeordneter im Südtiroler Landtag, die EU als eine „Sekte, die die tausendjährige Kultur tötet“. Er sprach von einem „kriegsgeilen Sauhaufen“ mit einem „nicht gewählten Dämon an der Spitze“. Die Regierenden nannte er einen „korrupten, kriegsgeilen Haufen“ und forderte, sie „in Handschellen zu legen“ und „in einen Steinbruch zu schicken“.
Alexander Gauland (AfD), Bundestagsabgeordneter: „Die EU ist nichts anderes als ein Versuch, Deutschland zu schwächen.“
Alice Weidel (AfD): „Diese EU ist ein undemokratisches Monster, das wir schleunigst verlassen sollten.“
Björn Höcke (AfD): „Multikulti ist gescheitert. Wir wollen keine multikulturelle Gesellschaft.“
André Poggenburg (AfD): „Diese Kümmelhändler haben hier nichts zu suchen und sollten dahin zurückkehren, wo sie hergekommen sind.“
Björn Höcke (AfD): „Wir brauchen eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“
Alexander Gauland (AfD): „Wir haben das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“
Alice Weidel (AfD): „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“
Beatrix von Storch (AfD): „Der Islam ist ein politischer Feind, der uns die Freiheit nehmen will.“
Herbert Kickl, FPÖ-Bundesparteiobmann, August 2024 in Hallein: Er nannte die Salzburger Festspiele eine „Heuchler- und Inzuchtpartie“.
Im Juni 2019 sagte Kickl: „Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“
Laut der Plattform Demokratie und Respekt vertritt Kickl die Ansicht, dass eine von der FPÖ geführte Regierung nicht an die bestehende Verfassung gebunden sei, sondern diese nach eigenem Ermessen ändern oder außer Kraft setzen könne.
Im Januar 2024 stellte Kickl in einem ORF-Interview („ZiB 2“) die Europäische Menschenrechtskonvention offen infrage. Die FPÖ thematisiert in ihrem Wahlprogramm einen möglichen „Öxit“, den EU-Austritt Österreichs. Kickl äußerte sich mehrfach zur Rolle der Frau, etwa: „Frauen halten ihren Männern den Rücken frei.“
Matthias Helferich (AfD) bezeichnete sich 2017 in einer privaten Nachricht als „das freundliche Gesicht des NS“. In internen Chats nannte er sich einen „demokratischen Freisler“ – in Anspielung auf den berüchtigten NS-Richter Roland Freisler.
Kickl (FPÖ): Die Grünen seien der „verlängerte Arm der Öko-Fundamentalisten und der Klima-Terroristen auf der Regierungsbank“.
Alice Weidel (AfD), selbst in einer lesbischen Beziehung lebend: „Die Familie ist das Fundament unserer Gesellschaft.“
Björn Höcke (AfD), 2017 in einer Rede über das Holocaust-Mahnmal in Berlin: „Ein Denkmal der Schande.“
Hitler in „Mein Kampf“: „Wo immer ich ging, sah ich Juden, und je mehr ich sah, um so schärfer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Menschen ab…..Dies alles konnte schon nicht sehr anziehend wirken; abgestoßen musste man aber werden, wenn man über die körperliche Unsauberkeit hinaus plötzlich die moralischen Schmutzflecken des ausgewählten Volkes entdeckte.“
Alexander Gauland (AfD): „Der Nationalsozialismus ist nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“
Zum Holocaust 2019: „Wir sind nicht verantwortlich für das, was vor 70 Jahren passiert ist.“
Viktor Orbán (Ungarn, 2014): „Wir haben beschlossen, dass wir in Ungarn eine illiberale Demokratie aufbauen werden.“
Donald Trump (USA, 2025): „Diese diskriminierenden und illegalen Bevorzugungen [Diversitätsprogramme] müssen beendet werden.“ (Business Insider)
J.D. Vance, US-Vizepräsident, Münchner Sicherheitskonferenz 2025: „Ich fürchte, in Großbritannien und ganz Europa ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug.“ (Cicero)
Donald Trump (2005, auf Video): „Ich fange einfach an, sie zu küssen. Es ist wie ein Magnet … Du kannst sie an der Pussy packen. Du kannst alles tun.“ (Wikipedia)
Trump (2024), zu einer Frau, die ihn der Belästigung beschuldigte: „Glauben Sie wirklich, dass ich das tun würde – bei ihr?“ (Implikation: Sie sei nicht attraktiv genug.)
Alice Weidl, AFD: Die Klimapolitik sei ein „Irrweg“, man fordere ein Ende der „Klimahysterie“.
Alice Weidel (AFD), 2025: Eine Regierung unter ihrer Beteiligung werde „alle Windräder niederreißen“.
Björn Höcke (AFD) im Wall Street Journal: „Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“
J.D. Vance, 2024: Frauen ohne Kinder seien „kinderlose Katzenfrauen“, die „kein Interesse an der Zukunft des Landes“ hätten. (Vanity Fair)
Donald Trump (2020): „Ich glaube, Wissenschaft weiß gar nichts.“ (Smart up News)
Vance: „Die Professoren sind der Feind … Wir müssen die Universitäten offen und aggressiv attackieren.“ (Merkur.de)
Trump, Präsident der USA, 2020: Er bezeichnete NOAA als „einen der Haupttreiber der Klimawandel-Alarmindustrie … Sie sollte zerschlagen und verkleinert werden.“ (AP News)
Beatrix von Storch AFD, 2016: „Menschen, die STOP an unserer Grenze nicht akzeptieren … sind Angreifer – und wir müssen uns verteidigen, sogar … wenn das heißt, auf Frauen und Kinder zu schießen“ (DW News, 3.11.2024)
Victor Orban, ungarischer Ministerpräsident, 2025: In Dallas bei der CPAC-Konferenz: Er verglich „progressive Liberale“ mit Kommunisten und erklärte, man brauche „mehr Ranger, weniger Dragqueens, mehr Chuck Norris“
Björn Höcke, AFD, 2025: „Diese EU muss sterben, damit das wahre Europa leben kann.“ (Wikipedia, 2025)
Das alles darf uns nicht egal sein! Wie aber können wir uns gegen solche hetzerischen und rhetorisch manipulativen Weltsichten wehren?
Olivier Mannoni, französischer Übersetzer, Kulturzeit 3sat, 2025: „Die einzige Möglichkeit ist, so gebildet wie möglich zu sein. Man muss lesen – die alten Autoren, wieder und wieder! Montesquieu oder Goethe – Menschen, die die Welt wirklich durchdacht haben und sie nicht nur in Parolen und einfachen Sätzen ausdrücken.“
Mario Vargas Llosa, Literaturnobelpreisträger 2010: „Hätten wir keine Visionen, wäre uns nicht bewusst, wie wichtig die Freiheit ist.… Literatur hilft, einen kritischen Geist zu entwickeln, denn sie lehrt, dass die Welt nicht einfach akzeptiert werden muss, wie sie ist.“
Boris Pistorius, Verteidigungsminister Deutschlands, Rede anlässlich der Gedenkveranstaltung für Erich Schulz auf dem Friedhof Columbiadamm in Berlin, 25. April 2025:
„Die Weimarer Republik ist nicht an der Stärke ihrer Feinde gescheitert, sondern an der zu geringen Zahl. Ebenso ist sie an der Feigheit und der Schwäche ihrer Anhänger gescheitert. Das sollte uns eine Lehre sein.“
„Ciao Johannis, me l’hai già detto un paio di volte quando ti ho parlato qui sui ciottoli, che presto potrai operarti alla gamba, così potrai camminare di nuovo senza il tutore. Come sta andando?“ Die Frage habe ich ihm schon oft gestellt, in den vergangenen Monaten immer wieder. Wird es diesmal eine andere Antwort geben?
Wie fast jeden Tag um diese Zeit – es ist kurz vor elf Uhr vormittags – sitzt Johannis am Rand des mit Porphyrsteinen gepflasterten Weges. Seinen Hut hält er den vorbeigehenden Stadtbesuchern entgegen und bedankt sich auch bei jenen, die nichts hineinwerfen. Seine Haltung ist bescheiden, seine Gesten freundlich.
Johannis versteht mich nicht sofort. Ich beuge mich nach vorne und wiederhole meine Worte.
Er ist Rumäne, spricht ein wenig Italienisch, genug, um sich verständlich zu machen. Sein linkes Bein ist geschient, eine sichtbare Erinnerung an das, was ihn hierhergebracht hat – oder vielleicht eine Hoffnung auf das, was ihn wieder fortbringen könnte.
„La gamba è ancora ingessata, purtroppo è ancora cosi“, bestätigt er knapp, doch seine Aufmerksamkeit kehrt schnell zu den vorbeigehenden Passanten zurück. Die Zeit drängt, jeder Moment könnte eine Münze bedeuten.
Dann, fast beiläufig, fügt er hinzu: „Abito a Issing, da un amico.“ Ein Freund gibt ihm ein Dach über dem Kopf. Doch seine Zukunft? Noch immer ungewiss. „Tra circa un’ora il mio amico di Issing verrà a prendermi qui e mi porterà a casa sua. Domani sarò di nuovo qui con il mio berretto.”
Ich ziehe ein paar Euro aus meiner Tasche, lasse sie in seinen Hut fallen. „Comprati qualcosa da mangiare“, sage ich.
Seine Antwort ist dieselbe wie immer: „Ciao e grazie.“ Ein kurzes Lächeln, eine Hand zum Gruß.
Morgen wird er wieder hier sitzen. Wie jeden Tag um diese Zeit.
„Fahren Sie geradeaus, dann biegen Sie scharf rechts ab.“ Die letzte Anweisung des Navigationssystems: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Es sind noch 200 Meter bis zum Burger Hof – dorthin, wo man sagt, dass Lernen anders funktionieren müsse, als es in Schulen noch immer der Fall zu sein scheint.
Ich bin zur „Ideenschmiede“ eingeladen – einem Ort, an dem das Schulsystem erneut auf den Prüfstand gestellt wird. Hier wird gefeilt, hinterfragt, ausprobiert. Welche Herausforderungen angegangen werden und welche Ideen entstehen, möchte ich aus erster Hand erfahren.
Ein strahlend sonniger Wintertag auf 1.400 Metern Höhe. Berghof-Idylle, steil abfallender Sonnenhang, ausladende Wiesen unterhalb, und oben im Steilhang der beginnende Fichtenwald. Hier treffe ich auf ein eingespieltes, engagiertes Team, das sich mit Leidenschaft um kleine und große Schüler:innen kümmert.
Fast zehn Jahre sind vergangen, seit alles begann – seit der Burger Hof als Lernort ins Leben gerufen wurde. Der Ausgangspunkt war eine Schenkung, verbunden mit einem klaren Ziel: das Wohl von Kindern und Jugendlichen im Pustertal zu fördern.
„Dass die Sozialgenossenschaft EOS diese Schenkung in das Netzwerk ‚Kooperation Pustertal‘ einbringt und die Entwicklung des Hofes in die Hände all jener legt, die mit Kindern und Jugendlichen im Pustertal arbeiten, verlässt gewohnte Bahnen“, schrieb einer der maßgeblichen Promotoren, Josef Watschinger, im Jahr 2016.
Und jetzt stehe ich an diesem Ort, den Josef Watschinger, lange vor der Schenkung „als Wunschtraum in seinen Karteikasten gelegt hatte.“ So hat er das damals gesagt.
Schon beim ersten Eindruck spüre ich, dass sich Schule und Lernen hier anders ereignen – an einem Ort, der so gar nicht nach Schule aussieht. Ursprünglich lebten hier Bauernsleute, die ihr hartes Leben auf 1400 Meter Höhe bewältigen mussten. „Die Möglichkeiten waren begrenzt, die Menschen damit beschäftigt, ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern.“ (Heiner Nicolussi-Leck, EOS Sozialgenossenschaft)
Heute ist es ein Ort des Lernens. Eine Woche lang findet hier die „Ideenschmiede“ statt – eine besondere Erfahrung für 26 Schüler:innen.
Die „Ideenschmiede“ soll ein Raum sein, in dem Schüler:innen frei äußern können, was sie sich für ihre Schule wünschen. Ihre Gedanken und Gefühle finden Ausdruck in Skizzen, Zeichnungen, Skulpturen und gemalten Emotionen.
„Die Affekte … sind die Wurzel des emotionalen Lebens, der seelischen Kraft“ (Nicolai Hartmann, 1949).
Das Ziel ist damit klar: Affekte einbeziehen und das emotionale Empfinden berücksichtigen, um der seelischen Kraft Gewicht zu verleihen. Ohne seelische Kraft läuft wenig bis gar nichts. Sie prägt unser Denken, unser Handeln, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen – in der Schule und darüber hinaus. Emotionen beeinflussen Motivation, Lernverhalten und das soziale Miteinander.
Bevor ich erfahre, was die jungen Leute zu sagen haben, begegne ich Alex, dem Koordinator der Schulprojekte – der Seele des Projekts Burger Hof. Im Hausgang des Wirtschaftsgebäudes mache ich das, was alle machen. Ich ziehe die Schuhe aus.
Alex bringt mir den Cappuccino und bittet Gerd Innerebner, Strukturleiter und Angestellten der EOS, mir das Wirtschaftsgebäude und das Wohnhaus zu zeigen. Ich ziehe meine Schuhe wieder an und gehe in den Stall zu den Schafen. Der Geruch von Heu und Tieren umfängt mich, während ich entlang der Schafsriele gehe und aufmerksam lausche, wie die fünfzehn Schafe hier am Burger Hof betreut werden. Gerd öffnet die Tür, und die Schafe, begleitet von ihren kleinen Lämmern, strömen hinaus in den Schnee. Bald schon werden zwei Esel dazukommen und, wie könnte es anders sein, Hühner mit ihrem eigenen Stall.
Zurück bei den jungen Leuten. An acht Stationen präsentieren sie ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen: Wie könnte eine andere Schule aussehen? Was fordert sie heraus? Was belastet sie? Eine Woche lang haben sie sich mit diesen Fragen beschäftigt. Seit Jahrzehnten wird darüber nachgedacht, wie Schule anders aussehen könnte – nun bin ich gespannt auf ihre Antworten.
Eine Signalglocke ertönt. Ich sehe mich um. Alle versammeln sich in einem Kreis. Alex hebt die Handfläche, die Seitengespräche flauen ab – jeder hier weiß, was zu tun ist. Eine erstaunliche Ordnung inmitten eines kreativen Ambientes
Beziehungen, Lernorte, Ruhe und Wohlbefinden, Natur, Vielfalt im Unterricht, Innovation, Selbständigkeit und kompetente Lehrpersonen – das sind die acht Themen, die bearbeitet wurden. Jetzt werden sie vorgestellt.
Lösungen aus der Sicht der Schüler: Pflege einer Kultur des Hin- statt des Wegschauens – Pflege eines wertschätzenden, offenen, transparenten Klassenklimas – Kritik akzeptieren und neue Ideen zulassen – Dialog auf Augenhöhe.
Erst wenn diese Basis geschaffen sei, kann Bildung mehr sein als reine Wissensvermittlung und, was entscheidend sei, sie könne die Qualität des Wissens potenzieren. Deshalb seien Beziehungen kein Nebenschauplatz, sondern die Grundlage für erfolgreiches Lernen, fasst die Gruppensprecherin zusammen.
Neben den Plakaten legen die Jugendlichen ihre Visualisierungen aus Skizzen, Zeichnungen und Skulpturen auf den Boden – so werden ihre Gedanken und Ideen nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar. Es ist die letzte Station, an der sie uns teilhaben lassen. Manche Botschaften sind rätselhaft und vielschichtig, andere direkt und unverblümt. Jedes Bild, jede Skulptur erzählt eine Geschichte: von Hoffnungen und Ängsten, von Wünschen und Zweifeln, von Wut und Rachegelüsten. Ein stiller, aber eindringlicher Dialog – manchmal anklagend, manchmal fordernd. Er zwingt dazu, genauer hinzusehen und die Zwischentöne nicht zu überhören.
„Worte sind Schall und Rauch………“, schrieb Goethe – eine Feststellung, die in der Welt der Schule eine tiefere Bedeutung gewinnt, als es auf den ersten Blick scheint. Denn oft bleibt unausgesprochen, was Kinder und Jugendliche wirklich bewegt. Ihre Gedanken, Ängste und Hoffnungen verbergen sich hinter höflichen Antworten, ausweichenden Blicken oder dem stillen Schweigen, das im Klassenzimmer manchmal lauter ist als jede Debatte. Doch wo Worte versagen, finden Bilder einen Weg.
Zeichnungen, Skizzen und Malereien enthüllen mehr vom inneren Erleben der Schüler:innen, als es Worte jemals könnten. Eine Skizze mit einem Sarg, einer Schlinge und einer Uhr – was sagt sie aus? Ist es Wut? Verzweiflung? Ein stiller Hilferuf? In Formen, Farben und Stilisierungen legen junge Menschen ihr Innerstes offen, oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Ihre Bilder sind Statements, roh und unverfälscht, und genau darin liegt ihre Kraft.
Diese visuelle Sprache ist entscheidend, wenn es um die Reflexion von Beziehungen und Strukturen geht. Wie erleben Schüler:innen das System Schule? Wie empfinden sie das Miteinander? Welche Rolle spielen Lehrpersonen in ihrem Alltag – als Unterstützer oder als unüberwindbare Hürden? Ein Bild kann eine ganze Welt erzählen, eine unausgesprochene Wahrheit enthüllen, die zwischen den Zeilen verloren gehen würde.
Es liegt an uns, hinzusehen. Nicht nur auf das Offensichtliche, sondern auf das, was sich in Schatten, Linien und Farbnuancen verbirgt. Denn wenn wir Bilder sprechen lassen, hören wir vielleicht zum ersten Mal wirklich zu.
Mit dieser Botschaft verlasse ich den Burger Hof und lasse meine Eindrücke Revue passieren, während ich den Berg hinunterfahre.
Inmitten aller Debatten über Bildungsreformen, digitale Innovationen und neue Unterrichtsformen wird oft übersehen, worauf es wirklich ankommt: die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden. Mir wird bewusst, dass sich um diesen Diskurs ein zentrales Thema rankt – ohne eine konstruktive, wertschätzende Beziehung bleibt Lernen wenig effektiv.
Alle pädagogischen Konzepte, sei es reformpädagogische Ansätze, technologiegestütztes Lernen oder methodische Innovationen, können ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn die Basis stimmt: gegenseitiges Vertrauen, Respekt und ein echtes Interesse an der Entwicklung der Schüler:innen. Eine Lehrperson kann noch so kompetent sein – fehlt die Beziehungsebene, bleibt das Wissen abstrakt und schwer greifbar.
Bildung ist mehr als die bloße Vermittlung von Inhalten. Sie ist ein gemeinsamer Prozess, in dem junge Menschen nicht nur Wissen erwerben, sondern auch lernen, sich selbst und die Welt zu verstehen. Dazu braucht es Begleiter:innen, die nicht nur lehren, sondern auch zuhören, wahrnehmen und ein Umfeld schaffen, in dem sich Schüler:innen ernst genommen fühlen.
Alles andere – technologische Fortschritte, moderne Lernkonzepte oder finanzielle Mittel – bleibt dieser Beziehung untergeordnet. Denn letztlich entscheidet nicht die Ausstattung eines Klassenzimmers über den Lernerfolg, sondern die Qualität der menschlichen Begegnung, die darin stattfindet.