„Es gibt Dinge, die man nicht tut“

Während im Mailänder San Siro der Rapper Amdouni Ghali* ein Antikriegslied des Kinderbuchautors Gianni Rodari sang, setzte Putin fröhlich seine Zerstörung fort.

Ci sono cose da non fare mai,
né di giorno né di notte,
né per mare né per terra:
per esempio, la guerra.*

Diese Zeilen von Gianni Rodari* trug Amdouni Ghali im San Siro bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gemeinsam mit Kindern vor. Ein bewusst einfacher, kindlicher Text, der Frieden als Selbstverständlichkeit formuliert. Zur selben Zeit jedoch wurde Kiew erneut mit Drohnen und Bomben überzogen.

Zwei Bühnen, ein Moment: hier Worte, die daran erinnern, dass Krieg etwas ist, das man nicht tut; dort die brutale Behauptung des Gegenteils.

Gerade die kindliche Einfachheit dieses Textes entlarvt die Lüge aller geopolitischen Rechtfertigungen. Dass ein Kinderbuchautor klarer spricht als ein Präsident, ist ein Skandal. Ein Skandal auch, dass ein Staat zur Projektionsfläche eines Tyrannen werden kann, dass Kultur, Sprache und Geschichte zu bloßen Kulissen der Gewalt verkommen. Und dass Bomben lauter sprechen dürfen als Gedichte – und man es geschehen lässt.

Written by Hansjörg Rogger

*Im Kinderbuch-Band „Tutti i colori della pace“ („Alle Farben des Friedens“) – 2024 erschienene Anthologie von Rodari-Texten rund um Frieden und Freundschaft, herausgegeben vom Verlag EL Narrativa, performt vom Rapper Ghali Amdouni.