Dio ti benedica

Eine Frau kommt ins Café und bleibt an meinem Tisch stehen. Es ist der 7. Oktober 2026. Sie bittet um Geld.

„Dio ti benedica.“

Ich sehe sie an.

„Ich sehe keinen Gott“, sage ich. „Wo soll er sein?“ Dann: „Und dieser Ihr Gott – segnet er auch die zwanzig Menschen, die Putin heute in der Ukraine mit Bomben und Drohnen zerfetzen ließ?“

Sie sagt nichts.

„Woher kommen Sie?“

„Rumänien.“

„Warum haben Sie keine Arbeit?“

Keine Antwort. Sie zeigt nur auf ihr Knie.

„Wo ist Ihr Mann?“

Sie schaut mich an.

„Und Ihre Kinder?“

Keine Reaktion.

„Können Sie nicht arbeiten?“

Nichts.

„Was fehlt Ihnen?“

Sie sagt nur:

„Geben Sie mir etwas. Dio ti benedica.“

Ich greife in meine Tasche und gebe ihr ein paar Euros.

„Dio ti benedica, grazie.“

„Schon wieder ihre eher schlecht einstudierte Endlosschleife.“

Es ging alles sehr schnell, ich hätte noch Zeit gehabt, sie um ihren Namen zu fragen, aber sie war schon weg.

Hansjörg Rogger