Kategorie: Migration

  • Mi chiamo Smart

    “Mi chiamo Smart,” mi disse, mostrandomi il suo cartellino con il nome.

    “Vengo dalla Nigeria, ma questo te l’ho già raccontato l’ultima volta.”

    Smart, come smartphone, pensai — facile da ricordare.

    Dann begann er zu erzählen. Es war kalt. Er stand im Schatten, während die wärmende Sonne woanders schien. Doch die Kälte schien ihm nichts auszumachen.

    „È terribile laggiù in Nigeria: Boko Haram. I soldi, quando li si ha, servono soprattutto a corrompere. Violenza, corruzione – e ora ci si mettono anche i russi. Sono felice di essere qui in Alto Adige. I miei due figli stanno imparando il tedesco; la piccola va all’asilo, il grande alla scuola elementare. Anche mia moglie è qui.“

    Smart zog sein iPhone aus der Tasche, scrollte durch seine Mediathek und zeigte mir seine Kinder. So wie es Väter auf der ganzen Welt tun. „Non ho più né mamma né papà“, sagte er dann noch.

    „E domani sarò di nuovo lì a vendere i giornali.“

    Ich gehe ein paar Schritte in Richtung Sonne und blättere die Seiten von hinten nach vorne. Die „Bösen Worte“ auf Seite 39 haben es mir wieder angetan.

    Hansjörg Rogger / 16.1.2025

    Smart Benson Aisida, mit freundlicher Genehmigung von Herrn Benson, Bruneck, Stadtgasse, 2025
  • Wer kann schon behaupten, dass nicht irgendwann ich, er sein kann,

    und dann bin ich es, der die 10 Euro vielleicht erbetteln muss. 1.September 2023. Vengo dalla Nigeria, sagt er. Hai un permesso di soggiorno? Frag ich ihn. No, sagt er. Dove abiti? A Bolzano, sono venuto attraverso il mare. Nach seinem Namen hätte ich ihn fragen sollen. Tat ich nicht. Grazie, sagt er und geht. Zum nächsten, übernächsten, überübernächsten. Kein Erfolg.

    Viele leben dieses Schicksal. Tagein und Tagaus. Flucht war die einzige Perspektive. Über das Meer, sagte er. Wir lesen es in den Zeitungen, sehen die schrecklichen Bilder – dann schieben sich wieder unsere angenehmen und weniger angenehmen Dinge in den Vordergrund: Das Schnitzel war zu wenig mager, die Stromrechnung ist ganz schön in die Höhe geklettert, der Obstladen hat auch schon mal bessere Himbeeren verkauft. Es rattert permanent im Kopf. Und diesen Urlaub müsste man sich auch mal gönnen können, das große Auto auch……

    Dann lese ich wieder in der Zeitung und weiß, dass ich gar nichts weiß, erinnere mich an das Zitat von Mamadou Diawar, Ethnologe an der Universität Frankfurt, zitiert in der Zeit Nr. 35/2023: „Was wissen die von uns? Nichts!“ Gemeint ist das Wissen der Weißen über die Schwarzen. Und außerdem – die Kolonialherren haben einiges dazu beigetragen, dass die Länder in Armut versinken.

    Johann Georg (Hansjörg)Rogger Johann.rogger@me.com