Jänner 1985: Wenn Kinder gescholten werden…

Es ist die normalste Sache der Welt. Ist sie das wirklich? Ist sie das nicht vielleicht nur deshalb, weil wir Erwachsene uns dies egozentrisch anmaßen?

Wir schelten, weil uns etwas nicht passt. Wir schelten, weil wir uns in unserer Macht bedroht fühlen. Wir schelten, weil wir uns für etwas Besseres halten; wir schelten, weil es uns schwerfällt, anderes zu respektieren. Nicht selten schelten wir auch aus Unwissenheit.

Das Schlimme dabei ist, dass ein kleiner Mensch gescholten wird – einer, der sich nicht wehren kann, der sich nicht wehren darf; der niedergeschrien wird, dem alles nur Erdenkliche unterstellt wird und der sich höchstens in größter Not zur Wehr setzen würde.

Schlimm genug, dass Erwachsene schreien, fluchen und in eine Sau-, Schweine- und Drecksprache abrutschen. Noch schlimmer ist es, wenn damit Kinder belastet werden, wenn man sie für die Unzulänglichkeiten der Erwachsenen verantwortlich macht und im Fäkaljargon argumentiert.

Hansjörg Rogger / veröffentlicht 1985 in schule heute