Es sind Kleinigkeiten

Sie spielten im Sand, neben Mamas Garten. Der erste richtig warme Tag in diesem Jahr. Monika baute die Straße, und Herbert stellte Lastwagen, Anhänger und Kräne auf. Den kleinen VW wühlte er noch schnell aus seiner Spielkiste. Eine große Kiste, prallvoll nicht nur mit grünen, roten und gelben Vierrädern. Monika war von oben bis unten mit Sand beschmiert. Mit ihrer flachen Hand drückte sie eine Schneise spannbreit in den Haufen. Dreimal stürzte etwas Sand auf die flache Bahn, bis Monika auf die Idee kam, etwas Wasser auf die beiden Sandhügel zu spritzen. Jetzt war die Schneise fest, die Bahn glatt.

»Hilf mir!« und »warte noch ein bißchen!«, »nicht so fest!« Dazwischen ein Summen auf den Lippen, so von »show me the way to your heart …«, und Michael Jackson ist immer noch der größte, »wie war’s heute in der Schule?«, »die Zeichenstunde war ganz gut, aber dann das ewige Gemeckere … brumm … brumm … kresch.« Der kleine VW wurde als erster durch die Schneise gefahren. Zuerst mit der rechten Hand bis in die Mitte, dort, wo sich der Sand am höchsten türmt, dann mit der linken von der anderen Seite. Die Lastwagen folgten mit lautem Getöse: »Brumm … brumm …« Die Lippen des kleinen Herbert vibrierten. Monika war mit der Straße noch gar nicht fertig, als Herbert einen dicken Brummer anrollen ließ. Ein knarrendes Gequietsche, und der LKW stand, tiefe Bremsspuren im Sand, ganz nahe vor Monikas Hand.

Hansjörg Rogger / veröffentlicht 1997 in „Voll Glück“ by Athesia, Bozen