Brief an den Landtagsabgeordneten Alex Ploner am 13.3.2024

Hallo lieber Alex

Ich erlaube mir, dir meine Gedanken im Zusammenhang mit der ultrarechten Regierungskooperation zu schreiben. Es ist bedauernswert, wie blauäugig man in Südtirol den Schafspelz sehen will und den Wolf ganz einfach verdrängt. Autonomie war der Lockvogel. Man tut fast so, als wäre dies der heilige Gral, den es erst jetzt zu erreichen gilt. Alles andere wird ausgeblendet. Und wo bleibt Südtirols Weltoffenheit? Wo bleibt die Natur mit ihren Problemen?

Gibt es hinter dem Pragmatismus nicht auch noch die Weltanschauung, die ein Teil unserer Seele war und wohl auch noch sein sollte? Ich hab manchmal den Eindruck, dass vieles nicht gesehen werden will, weil man sich da was verhofft und dort was profitieren möchte. Es ist demnach scheinbar uninteressant, dass man sich, wenn man genau hinschaut, der rechts außen Szene aus Opportunismus anbiedert. Orban, der die Demokratie abschaffen möchte ist willkommen. Die Brüder Italiens lavieren einmal mit diesen und dann mit den anderen. Sehen das unsere Volksvertreter nicht? Hauptsache die kriegen ihr Schärfchen ab. Alles andere geht sie nichts an?  Ich habe mir immer gedacht, dass wir in Europa leben, europäisch und weltoffen denken. Die Indianer prägten das Bild der gespaltenen Zunge. Opportunismus aber, stumpft geistig und moralisch ab. 

Denken wir in Südtirol darüber nach, dass still und leise in der Kultur Italiens ein Umbau stattfindet? Robero Saviano kämpft literarisch und journalistisch gegen die organisierte Kriminalität. Und was tut die ultrarechte Regierung? Sie blockiert die Sendung „Insider“ von Saviano. Sie wird gesperrt. Ohne Begründung, einfach gesperrt. Bemühen wir uns, dies zu erfahren? Wissen das unsere Vertreter, wenn sie diesen Leuten die Hände reichen? Fragen sie nach, warum man das tut? 

Diese Informationen bekommen wir nicht lokal präsentiert. Ich weiß nicht, ob das fortschrittlich demokratische Italien das einfach über sich ergehen lassen will????  Wir hier müssen uns bemühen, diese fein kalibrierten rechten Seitenhiebe woanders zu erfahren, um mehr als Provinz, heile Welt, Tourismus, Wolf und Bär zu erfahren. Zum Glück hat uns die Weitsichtigkeit der vergangenen Jahre dieses internationale Netz ermöglicht.

Saviano sagt am 12.3.24:  „……….sie (Rai) hat  die Aufgabe alle Dissidenten, Feinde, Kritiker, alle die sie als nicht linientreu betrachtet, zu stoppen. Mein Rausschmiss ist Teil ihrer Aufgabe gewesen.“ Das sagt Saviano, der mittlerweile sein neues Buch vorstellt. Die Schriftstellerin Dacia Maraini sagt: „Die traditionellen Fachkräfte sind aus den Museen rausgeschmissen worden, und Rechte kamen hinein.“ Sehen und hören wir das neben dem „Handschlag für Südtirol“ ? (gesehen als Titelüberschrift im Tagblatt der Südtiroler am 12.3.24) 

Der Pragmatismus war es, so hörte man, der die Ehe mit den Rechten besiegelt habe. Alles andere spielt scheinbar keine Rolle. Es wird sehr viel an der Oberfläche zur Schau gestellt, „wenn wir das Geld schon kriegen, wären wir blöd, es nicht zu tun, und Antholz und das Drumherum wird gebaut.“ Den jungen Leuten in Olang, die was anderes wollten, hörte man nicht zu. Da ist Geld in Hülle und Fülle. Und die Krise der Natur spielt nur anderswo eine Rolle. Südtirol ist sowieso über alles erhaben und über das „mir san mir“ kommen wir immer noch nicht hinaus.

Du hast im Landtag gesagt, „……warum Sie (Landeshauptmann) dies den Südtirolern antun. Warum öffnen Sie der rechten Gesinnung Tür und Tor?“ Die Frage stellst Du dem Landeshauptmann. Ich weiß nicht, ob er darauf geantwortet hat. 

Ich habe als junger Bub oftmals Cortina besucht. Ich habe gesehen, wie die Olympiaanlagen verfallen, und ich habe damals Ende der 60er und 70er dieses Baudesaster gesehen, und ich kann mich erinnern, dass ich damals als Bub, der gerne auf den Cortineser Bergen umherkletterte dies als Frevel empfand. Und heute kommen sie schon wieder mit ihren Plänen, und die Geschichten wiederholen sich. Schon wieder fließt Geld, das anderswo einzusparen ist. Die Umwelt spielt, wenn überhaupt, die letzte Geige.  Der nationale Stolz scheint alles andere in die Bedeutungslosigkeit zu versenken.

Du hast mir mit deiner Haltung und deinen Stellungnahmen von der Seele gesprochen. Vielen Dank

Danke, dass du mir etwas zugehört hast.

Schöne Grüße und alles Gute

Hansjörg